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Trialog

 

"Ist noch etwas?" - "Nein." - "Dann tschüss. Ich geh dann mal." - "Wird auch Zeit." Dies mit einem Lächeln der Pflegekraft. Es ist kurz nach sechs an einem Freitagnachmittag. 


Oftmals klappt es, um ungefähr halb fünf, also zum vorgesehenen Arbeitsende die Station zu verlassen. Hin und wieder jedoch nicht.   Wenn die berufstätige Tochter eines Patienten(*) kommt, um wichtige Krankenberichte zu bringen, und wir uns endlich zu dritt kennen lernen und offene Fragen persönlich klären können: Patient, Angehörige und Ärztin. Besonders von Bedeutung ist dies, wenn Angehörige im Deutschen flüssiger sind als die oder der Patient selbst.   Wenn ein Ehepartner eines frisch aufgenommenen Menschen angespannt und sichtlich belastet vor dem Arztzimmer sitzt und um ein Gespräch bittet. Auf morgen vertagen? Der folgende Tag ist ein Samstag. 

Diese Gespräche von Patienten, Angehörigen und Ärztin/Therapeut sind Trialoge (Dörner et al. 2019). Sie sind von hohem Wert. Stärker ausgedrückt: ohne sie ist die Begleitung, Diagnostik und Therapie eines Patienten unvollständig. 

Als systemisch verankerte Ärztin, Coach, Beraterin und nun auch auf dem Weg zur Therapeutin kommt mir dies selbstverständlich vor: der Trialog als Baustein in der Arbeit mit Patienten und Klienten in ihrem System. In unserem System: sobald wir zusammen arbeiten, sind wir Teil eines gemeinsamen Systems. Natürlich muss ich als Ärztin und Therapeutin eine neutrale Haltung einnehmen. 

Zumeist verabreden wir uns weit vor halb fünf. Solche Ereignisse wie die hier geschilderten und noch ein paar andere Varianten sind "carpe diem" Geschehen. Fange den Tag, nutze die Gelegenheit, tu es jetzt. Nach den vier Prinzipien von Harrison Owen's Open Space: 

1. Die, die da sind, sind die Richtigen.
2. Was auch immer geschieht, ist das Einzige, was geschehen kann.
3. Es beginnt, wenn die Zeit reif ist.
4. Vorbei ist vorbei, nicht vorbei ist nicht vorbei.

Und werde später mit einem Lächeln und einem "Wird auch Zeit" verabschiedet. Eines, was ich am Beruf der Ärztin mag, ist seine Unvorhersehbarkeit. Ist manchmal anstrengend. Und meist gibt es ein happy end. 

Christa Weßel - Sonntag, 25 Januar 2026 

(*) wie immer: unabhängig von der verwendeten Form sind w,m,d gemeint. 

 

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Blogrubrik Wandel im Gesundheitswesen 

 

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