Sozioinformatik in Furtwangen

Rückblick und Ausblick

"Wäre super, wenn wir wieder mal etwas zusammen machen." Ein Student am Ende unseres achten, und damit Abschlussworkshop in der Sozioinformatik. Die fünf Studierenden dieses Sommersemesters waren die ersten, die im neuen  Bachelorstudiengang IT-Produktmanagement an der HFU den Schwerpunkt Sozioinformatik und damit für ihr viertes Semester die Module "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze" gewählt haben.


Sozioinformatik steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Es gibt derzeit einen Vollstudiengang an der TU Kaiserslautern. In Skandinavien, UK und den USA gibt es hierzu seit den 1980ern Aktivitäten. Robert Kling ist einer der Großen in social informatics und definiert sie so:


"Social informatics is the body of research that examines the design, uses, and consequences of information and communication technologies in ways that take into account their interaction with institutional and cultural contexts."

(Kling R. Learning About Information Technologies and Social Change: The Contribution of Social Informatics. The Information Society, 2000; 16: 217–232. http://www.indiana.edu/~tisj/readers/full-text/16-3%20kling.pdf)


Unsere leitende Frage in unserem Workshops war:
Was macht die Technik mit den Menschen?
Was machen die Menschen mit der Technik?


Welche Schlüsse die Studierenden und ich in unserem Review gezogen haben, finden Sie im Blog "Den Bogen spannen ...", ebenfalls von heute, im Abschnitt "Reflexion und Evaluation: Das Leben ein Projekt".


An dieser Stelle möchte ich noch ein persönliches Fazit ziehen und auf das Wintersemester 2017 / 2018 (und folgende?) schauen.


Fünf Studierende sind die Mindestzahl, mit der ein Seminar stattfinden kann. Dank der Flexibilität der Studierenden, der Hochschulverwaltung und Professoren hat es geklappt: Alle fünf, die sich eingeschrieben hatten, konnten tatsächlich teilnehmen.


Fünf Studierende sind anstrengender als fünfzehn, sowohl für sie selbst als auch für die Lehrende. Bei fünfzehn kann sich die eine oder der andere mal ausklinken. Es hat auch nicht so starke Auswirkungen auf die Gruppendynamik, wenn jemand fehlt. Und wir laufen nicht Gefahr, das Seminar abbrechen zu müssen, weil eine Person endgültig ausfällt.


Die Studierenden geben ungefähr zwei Wochen vor dem letzten Workshop ihre Seminararbeiten und die Portfolios ab. Vor drei Wochen irgendwann am späten Abend zuhause: "Darf ich dir mal etwas verraten?" - "Ja?" - "Ich habe die Reviews und Bewertungen der Portfolios fertig." - "Schon?" - "Ja, es sei denn, die Hochschule kommt jetzt noch mit 'Wir haben da aber noch ein eigenes Formular' um die Ecke."


Dieser kurze Dialog beschreibt die Schattenseite der Arbeit an der HFU. Sehr viele Formulare, eine nicht immer von Respekt zeugende Ansprache der externen Dozenten in den Formularen - oder möchten Sie einen  "Antrag auf Vergütung" stellen? Anträge stellen wir im Sozialversicherungssystem oder bei Behörden. Honorare rechnen Menschen als Dienstleister für Hochschulen und andere Kunden und Klienten ab. So kenne und schätze ich es zumindest von anderen Hochschulen (DHBW Mannheim, Hochschule Fulda, BHT Berlin).


Die helle Seite: Sehr freundliche und kooperative Menschen in den Sekretariaten, Verwaltungsabteilungen und unter den Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Sie alle haben mich sehr herzlich empfangen und insbesondere die Sekretärinnen des Dekanats der Fakultät für Informatik haben mich sehr gut durch das Semester begleitet. Auch wenn mir manche Verwaltungswege sehr aufwändig erscheinen, so ließen sich doch - auch dank ihrer Unterstützung - die Wege relativ gut bewältigen.


Die hellste Seite: Die Studierenden. Wie so oft, passierte es auch in diesen Workshops, die die beiden Module "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze" im Bachelor-Studiengang IT-Produktmanagement mit dem Schwerpunkt Sozioinformatik an der Hochschule Furtwangen (HFU) abdeckten. Die Studierenden zeigten Engagement und Humor. Vor allem: ich konnte regelrecht zusehen, wie sie in ihren fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen wuchsen. Vieles brachten sie schon mit, vieles war ihnen noch nicht bewusst und vieles haben sie sich in den Workshops und in der Zeit des Eigenstudiums erarbeitet.


Es wird weitergehen. Im Wintersemester wird es für den nächsten Jahrgang des Bachelorstudienganges IT-Produktmanagement die Module "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze" geben. Acht Workshops, <zahl?> Studierende, eine Dozentin und im Hackathon ein Gast. Sechzehn Tage Sozioinformatik verteilt über dreizehn bis vierzehn Wochen (Die Termine wollen die Sekretärin und ich nächste Woche festlegen). Wenn Sie mehr über darüber lesen möchten, was in diesem Sommer in der Sozioinformatik an der HFU passiert ist:

"Wäre super, wenn wir wieder mal etwas zusammen machen." Vielleicht treffen die Studierenden dieses Sommers und ich uns ja im nächsten Jahr: das Curriculum sieht im sechsten Semester das Modul "Psychologie am IT-Markt" vor ...


Christa Weßel - 25.06.2017

 

ps [27.06.2017]: Einer der Studierenden hat mir die Erlaubnis gegeben, seine Reflexion zu unserem Lernen und Lehren in diesem Sommer als Referenz zu verwenden. Sie finden diese Reflexion in den Echos auf Veränderung Gestalten Lernen.


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