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Eine „große“ Thesis

Coaching für Habilitanden, Doktoranden & Co

Eines Abends in der Bodega. „Christa, du hast doch schon so viele Arbeiten betreut. Wie wird aus meiner Abschlussarbeit eine gute Arbeit?“ – „Das Thema muss dich packen. Am besten findest du es selbst und lässt es dir nicht von einem Professor geben. Du musst hart arbeiten und du brauchst eine sehr gute Betreuung.“ Genau das ist der Haken, denn die Begleitung einer Abschlussarbeit ist in meinen Augen weit mehr als das, was viele Professoren leisten können.

 

Fangen wir mit der „größten“ Arbeit an: Habilitierende arbeiten über Jahre, manchmal schon Jahrzehnte auf einem bestimmten Fachgebiet. Nach ihrer Dissertation forschen und entwickeln sie und erstellen neben Publikationen auch eine Habilitationsschrift mit dem Ziel einer Universitätsprofessur. Für (Fach-)Hochschulen und Duale Hochschulen ist eine Habilitation nicht erforderlich. Natürlich haben die Habilitanden einen „Professor-Mutter“ oder „-Vater“. Trotzdem ist dies ein mehrjähriges Projekt, das alle Bereiche in Berufs- und Privatleben berührt. Damit ist es ähnlich wie mit der „Einsamkeit des Managers“, die ich in einem Blogeintrag vom 10.08.2018 beschrieben habe: Sie brauchen einen Sparringspartner. Als Habilitand können Sie nicht alles so „rauslassen“, wie es gerade Ihrer Stimmung  oder Ihren Bedürfnissen entspricht. Sie können sich nicht entlasten. Und, wenn Sie klug sind, machen Sie es auch nicht mit Ihrem (Ehe-)Partner. Darum brauchen Sie einen neutralen Dritten.


Diese neutrale dritte Person brauchen Sie regelmäßig und nicht erst, wenn es brennt. Ich nenne eine solch langjährige Arbeit mit Klienten nicht Coaching, sondern eher Sparringspartner oder Berater. Wie im Coaching auch, bestimmen Sie als Klient Thema, Intensität und Häufigkeit des Austausches. Sie legen sich also _nicht_ regelmäßig auf die „Couch“.


Ihr persönlicher Berater und Sparringspartner muss methodische Expertise in Beratung und Coaching, fachliche Expertise in der Anfertigung einer großen wissenschaftlichen Arbeit und Empathie für Ihre Belange vorweisen.


Mit dem Schreiben eines Buches ist ganz ähnlich. Wenn Sie einen guten Verlag mit einem guten Lektor und / oder einen guten Agenten haben und über Erfahrung und Routine im Schreiben verfügen, geht es vielleicht auch ohne Sparringspartner. Ein neutraler Dritter kann jedoch auch hier von Nutzen sein.


Dissertationen sind ebenfalls mehrjährige Projekte. Wenn das Selbstverständnis und die Werte Ihres Doktor-„Vaters“ oder -„Mutter“ auch beinhalten, dass diese Sie begleiten und coachen, ist es gut. Wenn Sie außerdem in ein gutes Forschungsteam eingebunden sind, umso besser. Leider entspricht dies oftmals nicht dem Alltag an einer Universität. Darum gilt auch hier: Holen Sie sich externe Unterstützung. Dies ist eine Investition in die Qualität Ihrer Arbeit und damit in Ihre berufliche Zukunft. Außerdem unterstützt ein Thesis-Coach Sie in Ihrer Balance. Die Chance, dass Sie geistig, psychisch und physisch fit bleiben und vielleicht auch noch fitter werden, steigt.

 

Flexibilität durch Blended Coaching

Als Doktorand, Habilitand oder Autor sind Sie zeitlich und örtlich sowieso stark eingebunden. Das Blended Coaching eröffnet Ihnen die Möglichkeit, Ihren Gesprächs- und Austauschbedarf mit Ihrem Sparringspartner flexibel zu gestalten.


Im Blended Coaching kombinieren Sie, die Klientin oder der Klient, und die oder der Coach persönliche Gespräche, Telefonate und den Austausch per E-Mail. Hierdurch entsteht für beide - Klient und Coach - Flexibilität im Coaching-Prozess. Dies ermöglicht eine individuelle und zeitnahe, auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Begleitung.


Fünf Schritte gehören zu jedem Coaching, unabhängig vom Thema.

  1. Verabredung zum persönlichen Gespräch per Telefon und / oder E-Mail.
  2. Persönliches Gespräch: Thema, Auftragsklärung, Zielsetzung, Vorgehen. (Wenn Sie den Coach bereits kennen, kann dieses Gespräch auch am Telefon stattfinden.)
  3. Telefonische Gespräche und Kontakt und Dateiaustausch für Analysen und Feedback zu Ihrer laufenden Arbeit durch den Coach per E-mail.
  4. Abschlussgespräch in einem persönlichen Treffen mit Evaluation und Ausblick. (Es ist ein großes Projekt. Darum halte ich ein persönliches Treffen für angemessen.)
  5. Abschlussdokumentation durch den Coach per E-Mail an Sie.

Was ist das Besondere am Thesis-Coaching?

Während es im Coaching sonst oft um die berufliche Entwicklung geht, liegt der Fokus des Thesis-Coachings auf dem Wissenschaftlichem Arbeiten und Schreiben. Dabei behalten Klient und Coach die Lebensbalance des Klienten im Auge, denn das Schreiben einer Thesis oder eines Buches ist eine besondere, in den meisten Fällen zusätzliche Aufgabe im Leben dieser Menschen. Der Thesis-Coach muss im Auge behalten, dass Sie als Habilitanden oder Doktoranden den Kontakt mit Ihren wissenschaftlichen Betreuern an Ihrer Hochschule oder Universität gemäß den Standards guter wissenschaftlicher Praxis pflegen. Dies heißt, Sie entlassen Ihre Betreuer nicht aus ihrer Verantwortung.


Denken Sie daran, dass Sie  als Klient über die Dauer der Zusammenarbeit entscheiden. Sie können ein Thesis-Coaching, wie andere Coachings auch, jederzeit beenden – auch wenn Sie Ihre Arbeit noch nicht abgegeben haben. Wenn ich als Coach ein Thesis-Coaching durchführe, orientieren wir uns im Coaching-Verlauf an den Meilensteinen einer Thesis, die Sie auch im Continued Multidisciplinary Project-Based Learning finden (Weßel / Spreckelsen 2009):

  • Forschungsfrage (Leitende Frage), Studiendesign, Projektplan
  • Exposé
  • Literaturarbeit
  • Datenerhebung und Intervention, falls es sich um eine Interventionsstudie handelt, oder Entwicklung eines Produkts, beispielsweise einer Software einschließlich ihrer Evaluation
  • Auswertung und Interpretation
  • Abschluss des Berichts

Der Erfolg steht und fällt mit der Formulierung der Leitenden Frage, weiterer Fragen, zum Beispiel für die Literaturarbeit und einem guten Schreiben von Beginn an: Gedanken, Gefühle und Ideen und natürlich all das, was Sie herausfinden und erarbeiten. Außerdem müssen Sie einen guten Zeitplan entwickeln, in dem genügend Spielraum auch für Terminprobleme, Schreibblockaden und Urlaub ist.


Christa Weßel - Montag, 13. August 2018

 

Vor-Lese-Proben zum neuen Buch

Dies ist wieder ein Abschnitt aus dem work in progress Buch "… Lernen und Lehren an Hochschulen …" Es begann mit dem Blogeintrag vom 28. Juli 2018. Eine Zusammenstellung der Vor-Lese-Proben finden Sie auf der Seite Books / Work in Progress … Ich freue mich auf Ihre Eindrücke und Ideen.

 

Quellen

  • Eco U. Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Übersetzung von Walter Schick. 13. Auflage. Italienische Erstauflage 1977. Heidelberg, UTB 2010.
  • Weßel C, Spreckelsen C. Continued Multidisciplinary Project-Based Learning - Implementation in Health Informatics. Methods Inf Med. 2009; 48 (6): 558-563. - PDF
  • Weßel C. Coaching. - https://www.veraenderung-gestalten-lernen.de/coaching/