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Das "Unternehmen" Hochschule

… aus: Aal Andere arbeiten lassen

Vier Wochen habe ich in einem kleinen Dorf nahe der Nordsee an der Version 0.2 des Aal-Buches arbeiten können (Blog 7 Jan 2019). Vieles hat sich getan. Die Liste der Abschnitte, die eine Fachlektorin neu prüfen soll, ist lang. Sie schrieb, dass sie sich darauf freue. Vielleicht war es ja beruhigend, dass ich meinte: "...  Es sind 15 Seiten Text und 8 Seiten Index dazu gekommen (vieles habe ich auch gestrichen ;o)"


Als Leseprobe des Januars habe ich das "Unternehmen" Hochschule ausgewählt. Dieses Kapitel leitet den vierten und letzten Teil des Aal-Buches ein. In den Teilen zuvor geht es um Philosophien, Konzepte und Lerntheorien (Teil I), Methoden (Teil II) und Leistungsnachweise (Teil III). Sollten die Professoren und Hochschulmanager unter Ihnen Fehler in der hier folgenden Beschreibung des "Unternehmens" Hochschule finden, freue ich mich über Ihre Nachricht …


Die Einleitung (Blog 25 09 2018 mit einer älteren Version) hat sich natürlich auch verändert. Unter anderem ist ein post scriptum hinzugekommen: In diesem Buch verwende ich oft eine neutrale, manchmal die weibliche und manchmal die männliche Form. Unabhängig vom verwendeten grammatikalischen Geschlecht sind alle Geschlechter gemeint: weiblich, männlich, divers.


Dies gilt in gleicher Weise für meine Texte im Blog.

 

Das „Unternehmen“

Wie sieht der Arbeitsalltag einer externen Dozentin aus? Professorin oder Professor werden, wie erfolgt das? Was ist Lehre wert – in Euro? Fragen, die immer wieder in Gesprächen mit Studierenden, Lehrenden, Wissenschaftlern, Managern und Mitarbeitern in Hochschulen und anderswo auftauchen und auf die die folgenden Kapitel ein paar Antworten geben.


Und „Wie müsste die Hochschule als diejenige mit den besten Lern- und Lehrbedingungen in Europa im Jahr 2025 aussehen?“


Studierende haben diese Frage am Ende unserer Seminare beantwortet (Abschnitt Die eigene Hochschule erkunden). Lehrende haben Antworten in der Studie Blended Learning and Visiting Lecturers (BLaVL) gegeben (Kapitel Akteure). Eine teilnehmende Beobachtung hat die Ideen weiter spezifizieren können (Kapitel Was können wir tun?).


Doch zunächst geht es um die Organisation Hochschule, ihre Akteure und deren Aufgaben.

 

Unternehmen sind wirtschaftlich eigenständige Organisationen, die  – im klassischen Verständnis – den Zweck des ökonomischen Gewinns verfolgen. Chester Banard hat in den 1930er Jahren Organisationen als ein System bewusst koordinierter Aktivitäten von zwei oder mehr Personen beschrieben (nachzulesen auch im Buch The Management Century von Stuart Crainer, 2000). Eine etwas umfassendere Beschreibung liefert das englische Wikipedia, nach dem Organisationen selbständige Einheiten sind, die aus mehreren Menschen bestehen, ein gemeinsames Ziel verfolgen und eine Beziehung zur Umwelt haben.


Hochschulen sind wirtschaftlich eigenständig, jedoch verfolgen staatliche und gemeinnützige Hochschulen nicht den Zweck des ökonomischen Gewinns. Mit Hochschule sind Universitäten, (Fach-) Hochschulen und Duale Hochschulen gemeint. Universitäten und gleichgestellte Hochschulen besitzen das Promotions- und Habilitationsrecht. Einige Hochschulen, beispielsweise Kunst- und Musikhochschulen, haben ein eingeschränktes Promotionsrecht. Staatliche und private Hochschulen sind Einrichtungen der Lehre und der Forschung. Letzteres gilt vor allem für Universitäten.


Die Menschen, Akteure (stakeholder), in der Organisation Hochschule gehören zu den Gruppen Studierende, Lehrende, Forschende und Administration im weitesten Sinn. Mit Administration sind Führungskräfte und Mitarbeiter in der Hochschulverwaltung, der Informationstechnologie, der Bibliotheken, der Studierendenberatung, des Akademischen Auslandamts (international office) und in der Versorgung der Gebäude, Technik und Verpflegung gemeint. administrare, lateinisch: ausführen, erledigen, durchführen, verwalten. An Dualen Hochschulen gibt es noch eine weitere Akteursgruppe, die Unternehmen, in denen Studierende ihre Ausbildung machen.


Management ist zum einen eine Aufgabe, die aus Entscheiden, Organisieren und Steuern besteht. Zum anderen bezeichnet der Begriff Management auch Angehörige der oberen, mittleren und unteren Führungsebene.


Im Hochschulmanagement ist ein Kanzler für den administrativen Bereich zuständig. Gewählte Rektoren und Dekane, die außerdem in der Regel eine Professur innehaben, verantworten Lehre und Forschung. Fakultäten sind nach Gebieten und Fächern geordnet. Institute, Lehrstühle und Studiengänge sind weitere Einheiten. Außerdem gibt es einen Hochschulsenat für die Selbstverwaltung. Diese umfasst beschließende, beratende und kontrollierende Funktionen beispielsweise für Satzungen, die Einrichtung von Studiengängen und in Berufungsverfahren für Professuren. Die Mitglieder der Hochschule, also auch die Studierenden, wählen den Senat, der sich aus Vertretern der oben genannten Akteursgruppen zusammensetzt: Studierende, Lehrende & Forschende, Administration.


Studiengangsleiter an Hochschulen vertreten neben ihren eigenen Tätigkeiten als Hochschulprofessoren und somit als Lehrende und Prüfer den Studiengang und sind für seine (Weiter-) Entwicklung und Gestaltung inklusive (Re-) Akkreditierung, Erstellung von Modulhandbüchern und Qualitätssicherung mit regelmäßiger Evaluation der Lehre verantwortlich. Studiengangsleiter haben unter anderem die Aufgabe, externe Dozenten zu finden und die verwaltungstechnischen Belange des Lehrauftrages und seine Abrechnung zu veranlassen und zu überwachen. Außerdem kann auch die Stundenplangestaltung und Terminfindung zu ihren Aufgaben gehören. Im Fall der Dualen Hochschulen pflegen sie Kontakte zu Unternehmen, um (a) Studierende für die Hochschule zu gewinnen und (b) sich mit den dort für die Studierenden Verantwortlichen auszutauschen.

 

Wie viele andere Unternehmen beschäftigen auch Hochschulen freie Mitarbeiter (freelancer) – vor allem in der Lehre. Wie der Alltag einer dieser derzeit ungefähr einhunderttausend Lehrbeauftragten in Deutschland aussehen kann, beschreibt das folgende Kapitel. 

 

Christa Weßel - Donnerstag, 31 Januar 2019 

 

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