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2013 Wurzeln stärken | 2014 Wachsen

Ein Jahr Ärztin in der Chirurgie und dann hörst du wieder auf? Warum? Diese Frage stellten viele im und außerhalb des Krankenhauses in Frankfurt am Main, in dem ich zwölf Monate angefüllt mit Arbeit, Lernen und Begegnungen mit vielen interessanten Menschen erlebt hatte. Was ist 2013 passiert und wie soll es 2014 weitergehen?

Der Jahreswechsel war eigentlich schon am 1. November 2013. Zum 31. Oktober hatte ich meine Arbeit in der Chirurgie beendet, mit einem weinenden und einem lachendem Auge.

Die Patienten werden mir fehlen, vor allem "die über neunzig". Mein persönlicher Rekord während eines Dienstes von zwanzig Stunden in der Notfallambulanz steht bei fünf Menschen, die älter waren als neunzig Jahre, und die mich an einem Teil ihres Lebens auf interessante, lustige, traurige und immer wache Art teilhaben ließen.

Viele Kolleginnen und Kollegen aus allen Gesundheitsberufen werden mir fehlen. Pflegende, die der Kit eines Krankenhauses sind. Sie sind rund um die Uhr am Patienten, sie bilden den kontinuierlichen Faktor auf den Stationen, in den Notfallambulanzen und im OP. Ärzte, die über Fachgruppen hinweg und in extrem langen Diensten voller Respekt, Humor und Optimismus zusammenarbeiten und dabei wissen, um wen es geht: die Patienten. Physio-, Ergo- und Logotherapeuten, Medizinisch-technische Assistenten in Röntgen und Labor und die vielen guten Geister aus Stationsassistenz, Hauswirtschaft, Technik, Empfang, IT und auch in der Verwaltung. Es gibt überall gute Leute.

Meine Wurzeln liegen in der Medizin und in der Chirurgie [*]. Vor allem bin ich Ärztin. Dazu haben sich seit Mitte der 1990er Ökonomie, Informationstechnologie und systemische Organisationsentwicklung gesellt. Diese Verknüpfung ist mein Beitrag im Gesundheitswesen. Ich bin überzeugt davon, dass ich als Coach, Dozentin und Autorin mehr beitragen kann, als als klinische Ärztin in einem Krankenhaus. Und wenn es mich wieder dorthin zieht, werde ich einen Zugang finden.

[*] Die Medizin hat in Europa ihre Ursprünge in der Kräuterheilkunde, die Chirurgie wurde zunächst vor allem von Badern und Barbieren und die Frauenheilkunde und Geburtshilfe von Hebammen ausgeübt. Darum bezeichnen sich Chirurgen auch als "Ärzte und Chirurgen".

 

Christa Weßel - Di, 31. Dezember 2013

 

Blogrubrik Wandel im Gesundheitswesen

 

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