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Arbeitet weniger

Auch Krankenversicherungen fördern dies

Katze im Cockpit

... nur muss ein Freiberufler auch erst einmal darauf kommen. Der Anlass: Krankenversicherungen legen die Beiträge auf Basis des Einkommenssteuerbescheides vom vorletzten Jahr fest. Wenn Sie weniger als die gesetzlich festgelegte Mindestbemessungsgrenze von derzeit 2231,25 Euro pro Monat verdient haben -- egal: die Krankenversicherung nimmt einfach eine "Differenz zur Mindestbemessungsgrenze" in das "berücksichtigte Einkommen" auf. Da können schnell mal tausend Euro zusammenkommen.

 

"Und wovon soll ich leben, wenn ich allein für die Kranken- und Pflegeversicherung nicht mehr "nur" 14 Prozent sondern schnell auch mal ein viertel oder mehr ausgeben muss?" -- "Wieviel Stunden arbeiten Sie pro Woche?" -- "??" -- "Wenn Sie zwanzig Stunden pro Woche arbeiten, sind Sie eine nebenberufliche Selbständige. Die Bemessungsgrenze liegt dann bei 991,60 Euro. Sie dürfen keine Mitarbeiter haben." -- "Und warum weisen Sie Ihre Versicherten nicht auf diese Möglichkeit hin?" -- "Wir können doch den Selbständigen nicht sagen: arbeitet weniger."

 

Warum eigentlich nicht?
Menschen wie Stephan Aarstol zeigen, dass ein Unternehmen sehr profitabel arbeiten kann, wenn er einen fünf Stunden Tag einführt. Profitabel in allen drei Bereichen: product (Geld), people (Lebensqualität) und vielleicht auch planet (Ökologie) [Blog vom 19.11.2011]. Letzteres hat er in seinem Artikel nicht betrachtet. Ich nehme es einfach mal an. Denn wer mehr Zeit hat, macht mehr selbst. Zum Beispiel Kochen.

Wissenschaftler der Universität Melbourne haben in einer Studie gezeigt: Es ist auch gut fürs Hirn. Und damit -- so nehme ich an -- für die Lebensqualität des Einzelnen und auch für die Gesellschaft: Je fitter die Menschen sind, desto geringer die Ausgaben für Krankheit und Pflege.

Das Pareto-Prinzip -- mit zwanzig Prozent des Aufwandes achtzig Prozent der Ergebnisse zu erreichen -- hält allmählich in die Unternehmenssteuerung Einzug. Sehr schön. Es ist eine Binsenweisheit, die wir alle kennen: Die Hälfte des Tages in Bürojobs ist mit socializing (Kaffee, Mittag, Flur- und Schreibtischfunk), der Organisation des Privatlebens (zum Beispiel Arzttermine machen oder mit Behörden sprechen) und mit der Bewältigung schlecht organisierter Arbeitsabläufe gefüllt. Stephan Aarstols Mitarbeiter haben die Arbeitsabläufe verbessert -- und gehen früher nach Hause.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute 5-Stunden Tage.
Ich fahr jetzt zum Zahnarzt. Ein paar anderen der zwanzig Stunden pro Woche, die noch anstehen, folgen später.

 

Christa Weßel - Donnerstag, 9. Februar 2017

 

Quellen