4 Jobs

... mit den schönen Seiten der Elche bändigen

Dienstag: Semesterstart in Mannheim. Erst seit dem Vortag hatte ich mich wieder mit dem Lehr-Job beschäftigt. Dank Routine und den schönen Seiten der vier Elche klappte auch der sehr kurzfristige Start.


Ich war zwei Stunden zuvor wieder in Frankfurt eingetroffen. Die Post mit dem Vertrag für den Lehrauftrag und anderen Unterlagen war noch bei einem Kollegen, der in den sieben Wochen zuvor meine Post entgegengenommen hatte. Die Teilnehmerliste schickte mir die Sekretärin als PDF, den Raum erfuhr ich vom Studiengangsleiter, der virtuelle Lernraum lies sich in wenigen Schritten einrichten und die Studierenden einschreiben. Nun hoffte ich nur noch, dass die Sekretärin es hinbekommen würde, einen Flipchart mit Papier und einen Moderationskoffer durch die guten Geister des Hauses, die Hausmeister, in den Unterrichtsraum bringen zu lassen. Ich vergesse es immer wieder, dieses Lernmaterial zu bestellen, weil es so selbstverständlich für mich ist, dass es sich sowieso in einem Seminarraum befindet - egal ob Hochschule, Tagungshotel oder Unternehmen.

 

Wie so oft in der Zusammenarbeit halfen auch hier persönliche Kontakte, gerade als Externe, die schönen Seiten der Elche lebendig werden zu lassen.

  • Fehler: Spät begonnen - üblicherweise laufen die Vorbereitungen eine Woche vor dem ersten Seminartag, dann fällt mir auch der Moderationskoffer ein. Dank Routine (Ort kennen, virtuellen Kursraum einrichten, Unterlagen zusammenstellen) und Kontakten zur Sekretärin und den Hausmeistern - dazu später mehr - ging es gut.
  • Beziehungen: Wie auch in all den Jahren zuvor, hatte ich mich auch der für dieses Seminar zuständigen Sekretärin im Semester zuvor vorgestellt. Sie wusste also, von wem die kurzfristige Bitte kam.
  • Karriere: Der Weg. Es ist immer wieder ein Weg zur und an der Hochschule als externe Lehrbeauftragte.
  • Macht, etwas umzusetzen: Funktioniert hier dank Routine und guten Beziehungen, denn: niemand "macht" allein.

Im Nachsendeauftrag für Juli und August stand unter "vorübergehender Abwesenheit" auch Urlaub. Es waren sieben schöne Wochen, aber kein Urlaub. Sie waren gefüllt mit drei meiner anderen Jobs: Verlegerin, Autorin, Setzerin. Die Buchreihe "Elche fangen. Basiswissen Consulting für Berater und Führungskräfte" soll im Oktober zur PVM-Tagung, zur Frankfurter Buchmesse und zum Semesterstart in Mannheim und Furtwangen erscheinen.


Ursprünglich hatte die Verlegerin einen Setzer angeheuert, der jedoch zunehmend schlechtere Arbeit ablieferte. Die Autorin musste nicht nur ihre Aufgaben erfüllen: Manuskript und Bilder liefern, Index erstellen und einige Vorschläge zu Layout machen. Zunehmend musste sie außerdem ganze Nächte - sie arbeitet vorzugsweise nachts - mit der Fehlererkennung und der Kontrolle verbringen. Als dann Fehler wieder auftauchten, die eigentlich schon ausgeräumt waren, und die Termine aus dem Ruder liefen, trat die Verlegerin auf die Bremse: Projektstop mit diesem Setzer, neue Setzerin. Das war der Beginn dieser sieben Wochen, von denen hier die Rede ist.

Job Nr. 1: Die Verlegerin machte mit ihren anderen Aufgaben weiter - Bloggerkollege Rudi Moos hat sie am 3. Juni zusammengefasst. Vor allem ging es um die Verhandlungen mit mehreren Druckereien: Wer macht hochwertige Bücher zu einem angemessenen Preis und damit für den Verlag zu tragbaren Kosten? Dann sind da ja noch andere Dinge wie zum Beispiel die Künstlersozialkasse. Auch für Honorarkräfte müssen Sie Beiträge entrichten, wenn Sie künstlerisch tätige Menschen beauftragen. Auch wenn Sie kein Verlag sind. Interessante Lektüre. Und natürlich das Marketing. Die Menschen, Unternehmen und Hochschulen müssen erfahren, dass es die Elche gibt. Hier wird es analog und digital zugehen. Vorträge, Lesungen und Social Media.


Job Nr. 2: Buchsetzerin. Dies lief sehr gut. Im Blog vom 24. August habe ich davon erzählt.


Job Nr. 3: Autorin. Zum Glück kam ich auch dazu. Die Indexe für die vier Bücher der Elch-Reihe machen und hier und da auch inhaltlich noch etwas ergänzen (ganze Abschnitte), sprich: schreiben.


"Wenn das Bloggen nicht wäre und meine persönlichen Notizen und Reflexionen plus die Arbeit an dem einen oder anderen Artikel, würde ich derzeit sehr wenig schreiben" antwortete ich kürzlich auf die Frage einer Nachbarin, was ich derzeit schreibe. Ich habe dann noch William Zinsser zitiert, der in seinem wunderbaren Buch "Schreiben wie ein Schriftsteller" ungefähr sagt: "Ich mag nicht schreiben, aber ich liebe es, Texte zu verbessern." Das ist bei mir anders: ich liebe das Schreiben. Zum Glück mag ich es auch sehr, Texte zu überarbeiten, bis sie "sitzen". Ob das dann tatsächlich der Fall ist, entscheiden die Leser. Und - damit zurück zu Job Nr. 2 - es ist ein sehr schönes Gefühl zu sehen, wie die Bücher durch das Setzen druckreif werden.

Viktor Frankl schreibt - unter anderem in "Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn" - über drei Wege zum Sinn.

  • Jemanden oder etwas lieben und durch diese Liebe sein oder ihr Potential zu wecken. Der andere wächst durch diese Liebe.
  • Etwas erschaffen. Etwas bauen, organisieren, musizieren, schreiben, malen, programmieren, ...
  • Mit Würde durch schwere Zeiten gehen.

Was gerade das Dritte bedeutet, wusste Viktor Frankl sehr genau. Er war während des Nazi-Regimes in mehreren Konzentrationslagern. "Das bringt einen sehr gut wieder auf den Boden der Tatsachen. Ein altes Haus zu sanieren, dass zig Kilometer von hier weg ist, und andere komplexe Projekte sind dann nicht mehr schwer. Es sind einfach Aufgaben." So eine Kollegin, mit der ich mich seit Jahren immer wieder auch über solche und andere Themen neben dem Lern- und Lehrbetrieb austauschen kann. Das Haus wird wunderschön, da bin ich sicher. Sie liebt es, sie erschafft etwas und wenn wieder einmal irgendwo der Putz runterkommt, wird sie auch da gut durch gehen.

Und nun Job Nr. 4, Lehren:

Flipchart, Papier und Moderationskoffer für gestern, den ersten Seminartag Consulting an der DHBW Mannheim, konnte die Sekretärin nicht mehr organisieren, schrieb sie mir in einer e-mail. Doch, irgendwie schon. Als ich über den Hof des Hochschulgebäudes ging - auf dem Weg zu den Hausmeistern, auch die kennen mich - begegnete ich einem von ihnen. "Ist noch einer Ihrer Kollegen in Ihrem Raum?" - "Nein, ich bin heute allein." - "Hm. Ich habe wieder einmal vergessen, Flipchart, Papier und Moderationskoffer durch die Sekretärin bestellen zu lassen. Sie meinte heute, so kurzfristig würde das wohl nichts mehr." - "Wer ist den die Sekretärin?" - "Frau xxx" - "Ah, die hat gerade geschrieben, das habe ich noch gesehen." - "Und, könnten Sie uns doch noch etwas vorbeibringen?" - "Klar. Aber nicht sofort. Erst so in einer viertel Stunde." - "Oh, wie schön. Vierzehn Uhr genügt auch völlig. Wir sind in Raum xxx." Es war 13:10 Uhr. "Danke!" - "Klar, machen wir gerne."


Christa Weßel - Mi, 30. August 2017

  • Zinsser W. Schreiben wie ein Schriftsteller. Fach- und Sachbuch, Biografie, Reisebericht, Kritik, Business, Wissenschaft und Technik. Berlin, Autorenhaus-Verlag 2001.
  • Frankl V. Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn: Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk. Piper Taschenbuch Verlag 1985.
  • Weßel C. Elche fangen ... Basiswissen Consulting für Berater und Führungskräfte. Band 1 bis 4.
    Frankfurt am Main, Weidenborn Verlag 2017.
    1) Beraten – Philosophien, Konzepte und das Projekt
    2) Menschen – Lassen Sie uns zum Äußersten greifen ... reden wir miteinander
    3) Werkzeuge – Von 8+1 W bis Smarte Ziele
    4) Entdecken – Beobachtungen, Interviews und Fragebögen kompakt und kompetent angewendet


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