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Aal Andere arbeiten lassen

… Die Einleitung zum Buch

Dozenten und Professoren, Führungskräfte aus Unternehmen und auch Studierende fragen zunehmend nach meinem Buch "Andere arbeiten lassen … Lernen & Lehren mit dem Fisch an Hochschulen und anderswo". Worum es im einzelnen gehe. Für wen es denn nun eigentlich sei. Und wann es - das ist die schönste Frage an eine Autorin - denn erscheine, mit dem Zusatz: Bitte benachrichtigen Sie mich dann.


Also setze ich an dieser Stelle  die Vor-Lese-Proben vom 13.08.2018 und vom 28.07.2018 mit der Einleitung fort. Wie immer einem "Work in Progress" kann sie sich noch bis zum Erscheinen des Buches noch verändern - je nachdem, was auch die vier Fachlektoren sagen werden.


Falls Sie Ideen zum Titel des Buches oder Fragen und Anregungen zur Einleitung und den anderen Vor-Lese-Proben haben, freue ich mich auf Ihre Nachricht (Kontakt …)

Einleitung (v0.6 ;o)

"Woran erinnern Sie sich vor allem aus dem ersten Teil unseres Seminars?" – "Aal. Andere arbeiten lassen." Vielleicht antwortete Eugen damit, weil er und seine Mitstudierenden gerade meiner Aufforderung nachkamen, die Tische wieder umzuräumen. Weg von den traditionellen Stuhlreihen hin zu einem großen Quadrat, an dem wir einander ansehen konnten und dessen Innenraum wir für das "Arbeiten im Raum" verwendeten.


"Und was heißt das genau?" – "Naja, nicht andere ausnutzen, sondern ihnen zu ermöglichen, dass sie überhaupt arbeiten können." Dabei ging das Tische-und Stühlerücken eifrig weiter. "Und wer muss so etwas vor allem drauf haben?"


Hurra, sie erinnerten sich: "Führungskräfte." – "Und Berater." – "Und Dozenten. Sie erinnern sich sicher auch, dass ich zu Beginn des letzten Semesters gesagt hatte, dass Sie die meiste Zeit aktiv sein werden. Ich bin hier einfach nur Moderatorin und jemand, der Ihnen die eine oder andere Tür zeigt." – "Schon klar, durchgehen müssen wir selbst."


Damit hatten sie sich auch an den chinesischen Spruch erinnert:

 

Ein Lehrer öffnet Türen. Durchgehen musst Du selbst.


Dieses Buch soll Sie in die Welt des Lernen und Lehren mit dem Aal-Prinzip einführen und Ihnen Anregungen geben für Ihre eigene Arbeit als Studierende (denn auch das ist ein Job, später dazu mehr), als Lehrende und als Manager und Mitarbeiter an einer Hochschule. Mit Hochschule sind Universitäten, (Fach)Hochschulen und Duale Hochschulen gemeint.


Das Buch ist auch gedacht für Menschen, die in und für Unternehmen in der Fort- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter tätig sind, beispielsweise, weil Sie die Verantwortung für Auszubildende und Berufseinsteiger tragen, sie begleiten und mit Dualen Hochschulen zusammenarbeiten. 

Der erste Teil erzählt von PHILOSPHIEN, Konzepten und Lerntheorien. Kerngedanke ist das Lerner-zentrierte, Kompetenz-orientierte Lernen und Unterrichten. Dieser Paradigmenwandel stammt aus den 1990er Jahren. Ein wichtiges Instrument ist das Blended Learning, die Kombination aus Präsenzveranstaltungen, Eigenstudium und Nutzung einer e-Learning-Plattform durch Studierende, Lehrende und andere Akteure des Lernens wie Bibliothekaren, Verwaltung und EDV-Abteilung. Und natürlich taucht  der "Fisch" auf, das Aal-Prinzip. Darin geht es auch um das Selbstverständnis von Lernenden und Lehrenden.

Im zweiten Teil SETTING geht es um die Gestaltung von Lernveranstaltungen und ihre Einbettung in das Blended Learning. Ganz im Sinne des Lerner-zentrierten Lehrens ist das "n" ist kein Schreibfehler, sondern Absicht., Es geht das Selbstmanagement von Lernenden und Lehrenden und um die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Seminaren, Workshops und Workshopreihen. Ein Studium verläuft wie jedes Projekt nicht immer geradlinig. Wie können Sie als Lernende, Lehrende und Hochschulmanager mit Bulimielernen, schlechter Lehre und Krankheit umgehen? Und wodurch wird Lernen und Lehren leicht? Auch darauf soll SETTING einige Antworten gehen.

Der dritte Teil LEISTUNGEN NACHWEISEN widmet sich den Abschlussarbeiten und den ihnen vorangehenden Klausuren, Seminar-, Projekt- und anderen Arbeiten. Worauf sollten Studierende achten und was  können und müssen Lehrende und Hochschule zur Erstellung hochwertiger Arbeiten und somit gutem Lernen beitragen? Im Zentrum steht der Gedanke "Eine Abschlussarbeit ist ein Projekt, Ihr Projekt". Dies gilt für das ganze Studium und seine Teilprojekte, zu denen auch die Leistungsnachweise gehören.


Der oder die Lehrende und wissenschaftliche Betreuer begleitet die Studierenden. Sie sind  facilitator, mentor, guide. Studierende haben in diesem Teil das letzte Wort. In Reflexionen aus Seminaren, Seminararbeiten und Portfolios beschreiben sie ihre Erfahrungen mit dem Lerner-zentrierten und Kompetenz-orientierten Lernen, dem Agilen Lernen und Lehren und dem Aal, ziehen Schlüsse und schauen in die Zukunft. Damit evaluieren sie auch die Lehrenden.

Nachdem es in den vorhergehenden Teil vor allem um die Perspektive der Lernenden geht, geht es im vierten Teil um das, was den LERNORT HOCHSCHULE ausmacht. Nach einem Einstieg, wie die Arbeit von externen Dozenten aussehen und Berufungsverfahren für Professoren verlaufen können, geht es um den Wert guter Lehre. "Es gibt noch viel zu tun …" begann vor vielen Jahren ein Werbespruch. Was können die Akteure Hochschule, Lehrende und Studierende zu gutem Lernen und Lehren beitragen? Eine Feldstudie gibt dazu einige Anregungen, die auch die Studierenden in ihren Reflexionen immer wieder aufgreifen.

Lernen und Lehren funktioniert vor allem durch eine gute Zusammenarbeit. Viele der in diesem Buch angesprochenen und beschriebenen Ansätze und Methoden stammen aus der Organisationsentwicklung, den Erkenntnissen zur Gruppendynamik und zum Projektmanagement, aus dem Coaching und vielem mehr. Darüber habe ich in der Fachbuchreihe ELCHE FANGEN …  geschrieben. Im Text verweise ich auf die jeweiligen Bände mit Buch BERATEN, MENSCHEN, WERKZEUGE, ENTDECKEN. Andere Autoren nenne ich mit Namen und Jahr.

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Non scholae, sed vitae discimus.  Eigentlich hat Seneca (ca. 4 v.C., vielleicht auch 1 n.C. – 65 n.C.) den Satz als Kritik an den damaligen Philosophenschulen umgekehrt formuliert: Non vitae sed scholae discimus. Wie steht es darum an Hochschulen und Universitäten in Deutschland heute? Diese Frage kann und will dieses Buch so umfassend nicht beantworten. Vielmehr soll es Sie, Studierende, Lehrende,  Führungskräfte und Mitarbeiter in Hochschulen und Unternehmen, anregen, sich in die Welt der Didaktik mit dem Fisch aufzumachen und eigene Wege des Aal-Prinzips zu entwickeln.

Der Aal ist übrigens eine sehr interessante Fischart. Er ist vor allem nachtaktiv, legt große Wanderungen vom Süßwasser ins Meer zurück, um zu laichen, und er hat eine sehr feine Nase. Sie können ihn nur mit sehr frischen Ködern fangen – nicht mit Aas in einem Pferdekopf. Dieses Bild ist vielleicht durch  Günther Grass' Blechtrommel bei dem einen oder der anderen entstanden. Pferdeköpfe sind für Aale nur interessant, weil sie sich gerne verstecken. Darum nutzten Fischer Pferdeköpfe als Reuse. Der europäische Aal ist vom Aussterben bedroht. Ich hoffe, dass er und die _Didaktik mit dem Fisch: Das Aal-Prinzip_  wachsen und gedeihen.


Christa Weßel - Dienstag, 25 September 2018

Vor-Lese-Proben

Blogrubrik Lernen & Lehren


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