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Selbstmanagement von Studierenden mit den 8+1 W

… aus Aal: Andere arbeiten lassen

Man könnte meinen, die Studierenden aus dem Seminar Consulting, die in diesem Frühjahr ihre Portfolios angefertigt haben, haben dieses Kapitel aus dem aal_buch schon gelesen. Einige von ihnen haben die 8+1 W in ihren Portfolios vorgestellt und sie auf mehrere Arten genutzt: für ihr Selbstmanagement im Seminar, für die Entwicklung ihrer Karriere als Berater (Blog vom 9 Mai 2019) und als Werkzeug für ihre Arbeit als Wirtschaftsinformatiker. Die Studierenden haben die 8+1 W im Seminar und in den Büchern BERATEN und WERKZEUGE kennengelernt.

 

Wie Sie als Lernende und Lehrende die 8+1 W einsetzen können, beschreibt das aal_buch im Kapitel Selbstmanagement

 

Selbstmanagement mit 8+1 W

Lernen und Lehren sind im Setting Hochschule ein großes Projekt mit mehreren Teilprojekten. Als Studierende können und sollten Sie Ihr Projekt in die eigene Hand nehmen. Auch die Arbeit von Lehrenden hat Projektcharakter. Dazu zählen die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Lernveranstaltungen und – je nach Art der Aufgabe – die Mitwirkung im Hochschulmanagement.


Wann ist Ihre Wohnung oder – falls Sie in einer WG oder noch im „Hotel Mama“ wohnen – Ihr Zimmer am besten aufgeräumt und sauber? Bei mir war das meist gegen Ende des Semesters oder zu Beginn der Vorbereitung auf eine Prüfung der Fall. Später im Berufsleben waren es Starts großer Projekte oder der Abgabetermin eines Berichts, Artikels oder Buchmanuskripts. Richtig ist, dass die Umgebung schön sein soll – auch und gerade die, in der wir arbeiten. Allerdings lässt sich das Putzen und Räumen auch sehr ausdehnen.

 

Menschen neigen dazu, Dinge aufzuschieben, umgangssprachlich auch „Schieberitis“ genannt. Wenn dies Ausmaße annimmt, die einen Menschen beeinträchtigen, nennen Psychologen dieses Verhalten „Prokrastination“. Aufschub erfolgt nicht etwa aus Bequemlichkeit, sondern weil immer noch etwas anderes (scheinbar) sehr Wichtiges dazu kommt, was unbedingt jetzt gleich – und natürlich mit hundertprozentiger Qualität – getan werden muss. Und dann kommt die tödliche Linie, der Termin, die deadline.


Wie Sie „wichtig“ und „dringend“ mit Hilfe der Eisenhower-Matrix einschätzen können, beschreibt das Buch Werkzeuge. Ein weiteres Instrument für das Selbst- und Projektmanagement sind die 8+1 W. Diese können Sie einsetzen, wenn Sie sich ein Thema erschließen, ein Projekt managen, einen Bericht schreiben oder eine


Reise vorbereiten. Die Bücher Beraten und Entdecken enthalten einige Beispiele. Sie finden sicher noch andere Anwendungsgebiete. Im Verlauf Ihres Vorhabens beantworten Sie immer wieder, besonders zu Beginn, an Meilensteinen und zum Abschluss die Frage

  • Wozu? Ziel.
  • Warum? Motivation und Anlass.
  • Was? Inhalte und Aufgaben.
  • Wer? Rollen und Funktionen.
  • für Wen? Zielgruppe, Klient, Kunde.
  • Wie? Methoden.
  • Wann? Zeitraum und Termine.
  • Wo? Orte.
  • und Woher? Daten, Informationen, Theorien, Modelle, Konzepte, Publikationen, Berichte, Dokumentationen, Ansprechpartner.

Mit der Beantwortung dieser Fragen können Sie als Lernende und als Lehrende Ihre Vorhaben konzipieren, planen, steuern, durchführen, abschließen und evaluieren. Auch in Gesprächen und Reflexionen mit anderen sind die 8+1 W ein gutes Instrument der gemeinsamen Verständigung.

Als Lernende: Lernen selbst steuern

Jede und jeder Lernende ist für ihr und sein Lernen selbst verantwortlich. Sei es die Mitarbeit in einem Seminar oder Workshop, die Vorbereitung auf eine Prüfung oder die Erstellung einer Seminararbeit, eines Portfolios, eines Projektberichts oder einer Thesis. Sie können Ihr Studium und seine Teile als ein Projekt betrachten, Ihr Projekt. Es ist ein großes, mehrjähriges Projekt mit Teilprojekten, das und die Sie mit den 8+1 W konzipieren, planen, steuern, durchführen, abschließen und evaluieren können (Buch Werkzeuge). Als Mindmap visualisiert sind die 8+1 W ein guter Anlauf- und Ausgangspunkt für Ihre tägliche Arbeit und für Reflexionen.

 


Wozu? Definieren Sie Ihre Lernziele für einzelne Lernveranstaltungen, Semester und Ihr gesamtes Studium. Stimmen Sie diese mit den Lehrenden ab. Lernende sollen ihre fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen entwickeln und ausbauen.

 

Warum? Erkennen und fördern Sie Ihre Motivation: Neues lernen, Bekanntes vertiefen und erweitern, Zertifikate erwerben, sich persönlich und beruflich weiter entwickeln und auch Freude und Spaß am Lernen zu erleben.

 

Was? Seminare, Workshops, Prüfungen, Abschlussarbeiten, Forschungsprojekte.

 

Wer? Nehmen Sie in Ihren Reflexionen vier Perspektiven ein: (a) Lernende = verantwortlich für ihr Lernen; (b) Lehrende = Verantwortliche, dass Lernen passieren kann; (c) Hochschule = Bereitstellung und Organisation von Lern- und Lehrressourcen; (d) im Fall Dualer Hochschulen das Unternehmen, in dem Sie Ihre Ausbildung machen.


für Wen? Sie lernen für sich selbst und auch für das Unternehmen, in dem Sie arbeiten (wollen). Ihr Lernen kann auch Gesellschaft und Umwelt zugute kommen.

 

Wie? Machen Sie sich vertraut mit Theorien, Konzepten und Methoden der Didaktik, der Gruppendynamik, der Organisationsentwicklung und dem Coaching und nutzen Sie sie. Lernen Sie allein und mit anderen.

 

Wann? In Lernveranstaltungen von neunzig Minuten bis mehreren Stunden oder Tagen, als Einzel- oder fortlaufende Veranstaltung über ein oder mehrere Schuljahre, Semester, Forschungsjahre, Weiterbildungsmonate und -jahre.

 

Wo? In Schulen und Berufsschulen, an Hochschulen und Universitäten, in Akademien und Unternehmen und „anderswo“: zuhause, in Bibliotheken, unterwegs.

 

und Woher? Fachliteratur zur Didaktik (ein Buch lesen Sie gerade) und zu Projekt-, Zeit- und Selbstmanagement, Moderation und Coaching; aktive Teilnahme an Seminaren und Workshops; Austausch und Reflexion zum eigenen Lernen allein, mit Mitlernenden und Lehrenden und vice versa.


Je mehr Sie als Lernende über das Lernen, seine Theorien, Konzepte und Methoden wissen und sie auch selbst anwenden, desto effektiver, effizienter und nachhaltiger ist Ihr eigenes Lernen und das Ihrer Mitlernenden. Außerdem nutzt dies Ihrer Zusammenarbeit mit den Lehrenden, der Hochschule und Ihrem Unternehmen. Sie können auch auf der Theorieebene miteinander in einen Dialog dazu treten, was gut läuft, was fehlt und was die Beteiligten tun können, um ihre Zusammenarbeit und das Lernen weiter zu verbessern. Für Lehrende ist es hilfreich und inspirierend, mit Lernenden in einen solchen Dialog zu treten. Auch das Hochschulmanagement und Ihr Unternehmen profitieren davon.

 


Die Fortsetzung für die Lehrenden soll im Monat August die VorLeseProbe für das aal_buch werden. Schauen Sie also gerne wieder vorbei.


Christa Weßel - Montag, 29. Juli 2019

 

VorLeseProben