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Coaching ... Vorgehen und Qualifikation

Als Coach tragen wir hohe Verantwortung. Wir müssen unsere Klienten in ihrer Entwicklung methodisch fundiert begleiten. Wie können wir dies sicher stellen?

Wir müssen unser Vorgehen und unsere Qualifikationen beschreiben, damit Interessenten entscheiden können, ob wir als professionelle Coaches für sie in Frage kommen. Die Rolle von Berufsverbänden stelle ich in Coaching ... bitte qualitätsgesichert vor.

 

Definition

Coaching ist, einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen auf der Basis eigener fachlicher, methodischer und sozialer Kompetenz darin zu unterstützen, ein privates oder berufliches Ziel beschreiben und in einem umschriebenen Zeitraum erreichen oder sein Scheitern erkennen und anerkennen zu können.

 

Coaching zielt auf die berufliche und persönliche Weiterentwicklung ab und ist eine Fortbildung des Klienten.

 

Qualitätskriterien

  • Berufliche Qualifikation: Ein Coach sollte durch ihr oder sein Studium und Weiterbildungen umfassende Kenntnisse zur menschlichen Psyche, soziologischen Aspekten wie bspw. Gruppendynamik und möglichst auch in einem Fachgebiet, wie bspw. der Ökonomie, der IT oder im Recht erworben haben und dies kontinuierlich, also im Lebenslangen Lernen vertiefen und ausbauen.
  • Klare Kommunikation der angewendeten Methoden, des Verlaufs und der Vergütung.
  • Vertraulichkeit und Diskretion.

Verlauf

In einem oder mehreren Vorgesprächen klären Coach und Klient die Rahmenbedingungen, wie Ablauf, Vergütung, angewendete Methoden und vor allem das Thema. Diese Gespräche dienen dem gegenseitigen Kennenlernen. Coach und Klient müssen zueinander passen. Vertrauen muss sich entwickeln. Einige Coaches stellen diese Gespräche in Rechnung mit der Begründung, dass durch die gemeinsame Reflexion zum Thema des Coachings Coaching stattfindet.


Im ersten Coachinggespräch gilt es, das Ziel des Coachings einzugrenzen. Dieses Ziel überprüfen Klient und Coach im weiteren Verlauf des Coachings. Es kann sein, dass der Klient aufgrund der im Coaching gewonnenen Erkenntnisse sein ursprüngliches Ziel erweitert oder ändert. Im Abschlussgespräch reflektieren Coach und Klient die ursprüngliche Zielsetzung, den Verlauf und die Methoden. Diese Qualitätssicherung dient sowohl dem Coach in seiner weiteren Arbeit, als auch dem Klienten im Prozess des Loslassens.

 
Ein weiteres Gespräch ungefähr sechs Monate nach Abschluss des Coachings kann sowohl für den Klienten als auch den Coach sehr nützlich sein. Diese Reflexion kann zeigen, ob das Coaching nutzbringend war, wie es sich mittelfristig ausgewirkt hat und was Coach und Klient verbessern könnten.


Wichtig ist es, als Coach den Klienten die Möglichkeit und damit die Freiheit und Selbständigkeit zu geben, jederzeit das Coaching zu beenden. Also nicht ein Paket zu "buchen", sondern von Gespräch zu Gespräch entscheiden zu können: ich mache weiter oder ich höre auf. Bereits im Vorgespräch und im ersten Coachinggespräch wird in der Regel deutlich, wie lange dieses Coaching wahrscheinlich dauern wird. Spätestens im zweiten oder dritten Gespräch besteht hierzu Klarheit. Beide, Klient und Coach, verpflichten sich dazu, dem anderen zu signalisieren, das es genug ist. Am besten erfolgt dies vor dem nächsten Gespräch, damit beide das Coaching abschließen können. Meist haben beiden unabhängig von einander zur gleichen Zeit den Eindruck, wann der Abschluss erfolgen sollte.

 

Zeitraum

Ein Coaching kann zwischen einem Gespräch an einem Tag und ein oder zwei Jahren dauern. Eine längere Begleitung vor allem von Führungskräften und Unternehmern bezeichne ich eher als  Reflexionsgespräche. Diese Menschen wollen sowohl die Fähigkeiten eines Coaches - Befähiger, Spiegel, Ansporner und vieles mehr - als auch inhaltliche Gesprächspartner. Sie fragen nach Meinungen, Einschätzungen und Empfehlungen. Der Coach muss in seiner Stellungnahme sehr darauf achten, diese als persönliche Einschätzungen zu kennzeichnen - wie ein  Moderator, der seine neutrale Rolle verlässt und als Experte Stellung nimmt.


Eine Sonderform nimmt das Coaching über einen oder mehrere Tage ein. Sehr gut geeignet ist dafür der Rückzug aus dem Alltag in Form eines Retreats. Dies kann sich von einer Berghütte bis zum Segelboot erstrecken. Retreats beschreibe ich im Band Werkzeuge der Buchreihe Elche fangen ...

 

Methoden

Im Coaching kommen Interventionen wie bspw. Visualisierungen, Zielsetzungs- und Ordnungsprozesse, Reflexion, Feedback und „Hausaufgaben“ zur Anwendung.

 

Coaching als persönliche Gesprächsreihe

Insgesamt erstreckt sich ein Coaching zumeist über sechs bis zwölf Monate und besteht aus ungefähr sechs bis zehn Einzelterminen.


Das Coaching umfasst persönliche Gespräche von ungefähr neunzig Minuten Dauer. Es findet in der Regel in den Räumen des Coaches oder auf neutralem Gebiet statt. Auch für das Coaching von Topmanagern ist dies zu empfehlen. Ich schätze auch den "Walk-to-talk". Im Gespräch an der frischen Luft in einer schönen Umgebung entwickelt sich ein Thema oft neu und sehr dicht.

Blended Coaching ... Telefon und Co

Im "Blended Coaching" (blend - engl.: gemischt) setzt sich das Coaching vor allem aus Telefongesprächen und auch dem Autausch per e-mail zusammen. Auch persönliche Treffen können stattfinden, sind aber eher selten.


Die Telefonate finden nach Verabredung statt und erfolgen im Abstand von einigen Tagen bis Wochen, je nach dem Bedarf, der sich im Coaching-Verlauf entwickelt. Die Rechnungslegung erfolgt einmal im Monat zusammen mit einer Dokumentation über die Zeiten, die sich aus den Gespräche und weitere Arbeiten ergeben.


Ein Beispiel für weitere Arbeiten ist, einen Klienten im Verlauf seiner Bewerbung um eine Führungsposition zu begleiten und Bewerbungsunterlagen, Exposés und Webauftritte zu prüfen und Empfehlungen zur Verbesserung auszusprechen.

 

Nutzen

Coaches sind ihrer Rolle neutral. Sie sind Experten. Damit unterstützen sie ihre Klienten in der Reflexion ihrer Situation in Berufs- und Privatleben. Dies soll die Klienten in die Lage versetzen,  Entscheidungen zu ihrem weiteren Vorgehen zu fällen und diese Erkenntnisse umzusetzen.

 

Coaching ist eine Fortbildung. Klienten können ihren finanziellen Aufwand dafür steuerlich geltend machen.

 

Beispiele

Klienten sind Fachexperten, Führungskräfte, Freiberufler, Gruppen und Projektteams.

 

Zum einen kann es im Coaching darum gehen, den weiteren Berufsweg zu untersuchen und zu klären: Welche Aufgabenfelder will ich in den nächsten Jahren bearbeiten? Welche Positionen will ich einnehmen? Bin ich qualifiziert? Was fehlt, was ist da? Wohin will ich gehen? Will ich die Organisation verlassen oder bleiben? Wie gehe ich mit Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern, Kunden, Partnern und – vor allem – mit meiner Familie in diesen Entscheidungen und Phasen der Veränderung um? Wen beziehe ich wie in meine Entscheidungsprozesse ein? 

 

Weitere Coachingthemen sind die Übernahme und Durchführung umfassender Aufgaben, beispielsweise als Projekt. Oder die Klienten wollen ihre Strategien und Umsetzungen überdenken, beispielsweise in der Kommunikation mit Kollegen, Vorgesetzten, Kunden und Partnern.  Eine typische Frage ist dabei: Wie „verkaufe“, promote ich unsere, meine Leistungen und Produkte?

 

Für Gruppen und Teams geht es vor allem um das Miteinander-Umgehen. Gibt es gemeinsame Ziele, Werte, Regeln? Wie organisieren und kommunizieren wir unsere Arbeit und Zusammenarbeit? Dazu gehören auch Weiterbildungen und Urlaube. Wie gehen wir mit Verantwortung um? Wie verhalten wir uns gegenüber Kunden und Kollegen außerhalb unserer Gruppe, unseres Teams? In Teambildung und Teamentwicklung bearbeiten Coach, Teamleiter und Klienten diese Themen. In Projekten kommt ein zumeist konkretes Ziel mit Termin hinzu.

 

Bei vielen Klienten sind auch Selbst- und Zeitmanagement und die Balance zwischen Berufs- und Privatleben Thema. Zum Privatleben gehört neben Familie, Freunden und soziales Engagement auch die Zeit für sich selbst allein. Die meisten Menschen haben Freude an ihrem Beruf und an ihrer Arbeit. Es geht also darum, eine Balance in den Lebensbereichen zu finden.

 

Mein Profil

Ärztin (Dr. med) und Gesundheitswissenschaftlerin (Master of Public Health, MPH), Hochschuldozentin (Consulting, Strategisches und Change Management, Sozioinformatik). Fachbuchautorin. Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich auf dem Gebiet Organisationsentwicklung und Organisationales Lernen mit dem Schwerpunkt Sozioinformatik. Ich berate und coache Einzelpersonen, Teams, Unternehmen und Institutionen in Deutschland und international.

 

Werdegang Beraterin und Coach

Ausbildung als Ärztin, damit auch in Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Supervision (FU Berlin). Klinische Arbeit in der Radiologie und Kinderchirurgie (Berlin). Arbeit in einer internationalen Unternehmensberatung mit Weiterbildungen in Moderation, Projekt- und Prozessmanagement (Schweiz). Promotion zum Thema Behandlungspfade als Qualitätsmanagement-Instrumente (Universität Basel, CH). Studium Public Health mit Seminaren unter anderem zur Organisationsentwicklung (TU Berlin). Forschung, Entwicklung und Lehre in Medizinischer Informatik, Wirtschaftsinformatik, Arbeitsmedizin, Public Health (Aachen, Mainz, Mannheim, Fulda, Furtwangen). Weiterbildung zur systemischen Organisationsberaterin (WSFB Wiesbaden). Fortbildung in Gestalttherapie (Gestalt-Institut Frankfurt am Main)

 

Christa Weßel -  Sa, 16. Juni 2012

 

[Blogeintrag erweitert am 16. März 2018]

 

Ausführlich in

 

Blogrubrik Organisationsentwicklung

 

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