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Wer bin ich?

Die Kunst der Balance zwischen technisch Machbarem und sozialen Konsequenzen ... Workshop 4 Sozioinformatik

IT-Produktmanagement heißt auch, immer wieder zwischen technisch Machbarem und den Konsequenzen für Menschen, Gesellschaft und Umwelt auszubalancieren. Also müssen IT-Produktmanager über breites und aktuelles technologisches Wissen, Kenntnisse soziologischer Zusammenhänge und eine hohe Reflexionsfähigkeit verfügen.

In vierten Workshop  "Produktmanagement und Ethik" der Module "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze" ging es um eben diese Balance.

Ethische Standards

[Band 1 Beraten]


Die Studierenden entwickelten - auch in Bezug auf die Eingangsreflexion ihres Portfolios zu Werten und Normen - ethische Standards für das IT-Produktmanagement. Es gibt einige allgemeingültige Standards für jegliche Berufsgruppen, zu denen beispielsweise Verschwiegenheit und fachliche Kompetenz gehören.

 

Umgang mit Gruppen in Veränderungsprozessen

IT-Produktmanagement heißt Arbeiten in Projekten, heißt Arbeiten mit Menschen. Projekte sind - auch - Veränderungsprozesse. Wie können IT-Produktmanager mit Menschen und Gruppen in Veränderungsprozessen umgehen? Welchen Wert kann dabei die Netzwerkanalyse haben?

 

In Projekten gibt es immer Befürworter, Gegner und Unentschlossene. Die Verteilung dieser Gruppen haben Mohr, Woehe und Diebold Ende der 1990er Jahre untersucht. Wie Sie Vertreter dieser Gruppen identifizieren und mit ihnen umgehen können beschreiben Band 2 Menschen und Band 3 Werkzeuge aus der Reihe Elche fangen ... 

 

Welche Konsequenzen hat es, wenn ein Gegner einen wichtigen Knoten im Netz des Projektes bildet? Dies ist auf dem Bild links unten dargestellt. Er kann ein Netz spalten. Also liegt es nahe, neue Verbindungen zu fördern. Hieran ist der Nutzen einer Netzwerkanalyse unmittelbar erkennbar: Sie können Schlüsse für Ihre weiteren Schritte im Projekt ziehen.

 

Paradigmenshift und Wettbewerbsanalyse

[Band 3 Werkzeuge]


Wie entwickeln sich Dienstleistungen und Produkte in der Zeit des Web 2.0, 3.0 und 4.0? Worauf ist im Wettbewerb zu achten?

 

Produkte und Dienstleistungen können sich analog oder disruptiv verändern. In der analogen Veränderung setzen Sie die Reihe Ihrer Produkte fort, beispielsweise von der Kutsche zum Auto. Eine Disruption liegt vor, wenn Sie einen völligen Wechsel vollziehen, wie beispielsweise von der Hotelkette zum Vermittler airbnb. Kollmann und Schmidt (2016) beschreiben diesen Paradigmenshift von der Produktion zur Webplattform-basierten Dienstleitung. Mittels des von Fink (2009) vorgestellten Formblatts zur Ermittlung des relativen Wettbewerbsvorteils lässt sich recht zügig ein erster Eindruck über Stärken und Schwächen eines traditionellen Herstellers oder Dienstleisters versus einer Webplattform-basierten Dienstleitung gewinnen.

 

Usability

[Band 4 Entdecken]


Jakob Nielsen hat in den 1990er Jahren sechs Kriterien für die Anwendbarkeit von Software entwickelt: Erlernbarkeit, Effizienz, Effektivität, Einprägsamkeit, Fehlerrate und Grad der Zufriedenstellung. Wie Sie für diese Kriterien einen Fragebogen entwickeln und unter Berücksichtigung dieser Kriterien Einzel- und Gruppeninterviews und Evaluationen und Tests im Labor durchführen können, beschreibt das Buch Entdecken.

 

 

Risiko-, Chancen- und Qualitäts-Management

[Band 1 Beraten]


haben ein gemeinsames Ziel: Sie unterstützen die Herstellung hochwertiger Produkte und Erbringung hochwertiger Dienstleistungen und wollen dabei Schäden für Unternehmen, Kunden und Umwelt minimieren oder ausschalten und neue Möglichkeiten und Chancen erkennen. Wie Sie Synergien dieser drei Managementbereiche identifizieren und Risiko-, Chancen-, Qualitätsmanagement durchführen können, beschreibt das Buch Beraten.

 

In der Software-Entwicklung ist dabei ein wichtiger Grundsatz: test first. Formuliere zunächst die Anforderungen, dann die Aufgaben, mit denen das System zu testen ist und entwickle dann die Software.

 

In time ... was ist Leben wert?

IT-Produktmanagement folgt - auch - ökonomischen Grundsätzen und Regeln. Wieweit kann das Streben nach finanziellem Profit das IT-Produktmanagement und die Gesellschaft, in der wir leben, beeinflussen?

 

Anhand des Films "In Time" aus dem Jahr 2012 haben wir untersucht:

o In welcher Gesellschaft ist dieser Film angelegt: Kontinent, Staat, Stadt, Zeit?
o Welche Währung gilt als Zahlungsmittel?
o Wie erfolgen Zahlung und Auszahlung von Lohn, Gehalt, Honorar und andere Geldtransfers?
o Welche Gesellschaftsgruppen und Schichten erkennen Sie?

o Welche Werte, Normen und ethischen Standards erkennen Sie in den verschiedenen Gruppen, Schichten, bei einzelnen Personen?

 

Wir haben uns auch gefragt:

o Wie würden Sie sich in einer solchen Gesellschaft verhalten?
o Für wie realistisch halten Sie das Szenario dieses Films? Was passt, was wird "nie" kommen? Was haben wir schon heute?

o Wie würden Sie eine solche Gesellschaftsform verhindern wollen - falls Sie sie verhindern wollen?
o Was können Stakeholder wie Einzelpersonen, Statt, Unternehmen, NGOs tun?
o Was sollten sie tun?

 

Project-Based Learning ... die Seminararbeiten

Die Studierenden haben den Stand ihrer Arbeiten vorgestellt. In beiden Arbeiten haben sie erste Interviews geführt und mit der Dokumentation begonnen. Wir haben weitere Interviewpartner identifizieren und die Rollen Auftraggeber, Nutzer und den Begriff "Storyselling" geklärt.

Managementprozess

[Band 1 Beraten]


Der Auftrag in einer der Seminararbeiten lautet, eine Produktvermarktungsstrategie zu entwickeln. Die Entwicklung einer Strategie ist eingebettet in den Managementprozess. Wie Sie mit der besonders häufig auftretenden Lücke zwischen Strategie(-entwicklung) und Maßnahmen(-umsetzung) umgehen können, beschreibt das Buch Beraten.

Identität

o Was ist Identität?
o Was macht Identität von Individuum, Gruppe, Unternehmen und gesellschaftlichen Gruppen aus?
o Wie beeinflussen Social Media Identitäten?

 

Antworten auf diese Fragen visualisierten die Studierenden in Kleingruppen. Auch die "dunklen Seiten", über die mehr zu erfahren sie sich in der Eingangsreflexion zu ihrem Portfolio als Lernziel definiert hatten, kamen zur Sprache.

Wie können wir zum Beispiel mit (drohendem) Identitäts- und Kontrollverlust, mit Meinungsmache, unreflektierter Berichterstattung und Manipulationen der öffentlichen Meinung umgehen?

 

Pest, Cholera, Elendswohnungen um 1900 und nun ...?

Wir können uns fatalistisch zurücklehnen oder uns auf die Grundsätze besinnen, die die Studierenden zu Anfang des dritten Workshops genannt hatten.


Think globally act locally:
o Verantwortung: Welche Konsequenzen hat mein Handeln?
o Inspiration: Wie läuft es in anderen Ländern, beispielsweise in Schweden? "Die drehen doch auch nicht am Rad."
o Veränderung: Fang bei dir selbst und in deiner unmittelbaren Umgebung an.

 

Als mögliche Maßnahmen beschrieben wir: Ethikkommission, Redaktion, Aufklärung, Bildung von klein auf an. Dabei gilt es, nach eigenen Neigungen und Interessen Felder zu finden, in denen jede/r von uns sich engagiert.

 

Netzwerkanalyse

[Band 2 Menschen und Band 3 Werkzeuge]

In der Netzwerkanalyse lehnen wir uns eng an die von Schnegg und Lang 2002 beschriebenen Schritte an. Im dritten Workshop haben wir als leitende Frage zur Gruppenuntersuchung formuliert: "Was unterstützt in unserer Gruppe das Lernen?"

 

Im vierten Workshop erarbeiteten wir Fragen für die Kanten, also die Beziehungen. Sehr schnell wurde deutlich, dass eine Netzwerkanalyse, und sei es auch nur die einer kleinen Gruppe, komplex ist: jede Beziehung zu jeder/m müssen wir erfragen. Außerdem müssen wir immer wieder kritisch hinterfragen, ob eine Frage tatsächlich dazu geeignet ist, zur Beantwortung der leitenden Frage beizutragen.

 

Einige Fragen haben wir gefunden und die Befragung durchgeführt. Der nächste Schritt ist die Übertragung in ein Tabellenkalkulationsprogramm. Im Workshop 5 wollen wir mit der Auswertung beginnen.

Aufgaben

Seminararbeit: Stand der Dinge

 

Netzwerkanalyse:
M und T: Mi, 03.05.2017 12:00 : Erstellen der Exceltabelle des Fragebogens und upload auf dropbox
alle: Mi, 19.04.2015 - 18:00: Einpflegen der Daten des Befragten und Hochladen auf dropbox

 

Portfolio: Dienstag, 2. Mai 2017 bis 08:00 Uhr upload auf dropbox: 
Meilenstein 2 – Ethik & Gesellschaft
o Welche ethischen Grundsätze sind in meinen Augen wichtig für die Informations- und Kommunikationstechnologie?
o Betrachten Sie dabei auch Normen, Werte, Visionen, Ziele von Person, Gruppen und Unternehmen.
o Berücksichtigen Sie die Aspekte Product, Poeple, Planet - auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit:  ökonomisch, sozial und ökologisch.


Tipp: Literatur auf https://www.christa-wessel.de/ressourcen/zur-organisationsentwicklung/ethik/

 

Lesestoff

In Nachbereitung des Workshops (in der Reihenfolge ihrer Erwähnung):

 

Weßel C. Workshopreihe "Sozioinformatik" zu den Modulen "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze". Bachelor-Studiengangs IT-Produktmanagement mit dem Schwerpunkt Sozioinformatik an der Hochschule Furtwangen (HFU) Sommersemester 2017.
27./28.04.2017 Workshop 4 "Produktmanagement und Ethik".
Außerdem die hier im Text genannten Bände der Buchreihe [21.01.2018 aktualisiert]
Hier im Text zitierte Quellen:
  • Fink D. Strategische Unternehmensberatung. München, Vahlen 2009.
  • Kollmann T, Schmidt H. Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt. Wiesbaden, Springer Fachmedien 2016.
  • Mohr N, Woehe JM, Diebold.  Widerstand erfolgreich managen: Professionelle Kommunikation in Veränderungsprojekten. Frankfurt am Main, Campus 1998.
  • Nicol A. In Time.  20th Century Fox 2004
  • Nielsen J. Usability Engineering. San Diego, Academic Press 1993 - Aktuelles zu Nielsen: http://www.nngroup.com/people/jakob-nielsen/ [04.08.2015: Kurt Lewin (Blog vom 23.07.2015) als einer der Väter der Organisationsentwicklung und Jakob Nielsen im Usability Engineering haben schon vor Jahrzehnten gezeigt: Interviews und Beobachtungen einiger weniger und die Arbeit mit Szenarien und Persona Models sind effektive und effiziente Instrumente - die außerdem Spaß machen.]
  • Schnegg M, Lang H. Netzwerkanalyse - Eine praxisorientierte Einführung. METHODEN DER ETHNOGRAPHIE Heft 1. 2002. http://www.methoden-der-ethnographie.de/heft1/Netzwerkanalyse.pdf (Blog vom 24.02.2017)
Zur Vorbereitung des nächsten Workshops (Muss):
  • Schnegg / Lang 2002 (siehe oben)
Christa Weßel - Samstag, 29. April 2017
 
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