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Zeitfresser Hochschule

… Feedback auf twitter zum #Aal_Buch

Auf twitter startete nach meiner Mitteilung zum Blogeintrag Was ist Lehre wert? vom 23 Nov 2018 ein Dialog mit einem Hochschulprofessor. Er schrieb direkt an mich:


"Prinzipiell stimme ich zu. Allerdings ist die jährliche Arbeitszeit selbst bei einer 41 Stundenwoche weit jenseits 1356 Stunden. Und kaum ein Kollege arbeitet nur 41 Stunden... Ich selbst bin pro Jahr locker über 2000 Stunden."


Upps! Selbst bei einer 41-Stunden-Woche ergeben sich bei 220 Arbeitstagen pro Jahr (250 minus 30 Tage Urlaub [1]) "nur" 1804 Stunden pro Jahr.


Arbeitsmedizinisch gesehen ist ein "normaler" Überschuss von zweihundert Stunden bei diesem lehrenden Kollegen bedenklich. Mehr dazu im Kapitel "Walk and Talk XXL" im Buch ENTDECKEN (Weidenborn Verlag 2017) [2].

2000 Stunden "normal" … arbeitet weniger!

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Dieser Professor hat viel Spaß an seiner Arbeit oder es stimmt etwas nicht mit dem Zeitmanagement der Hochschule oder des Lehrenden oder beides. Zeitfresser an Hochschulen sind vor allem Besprechungen (Abteilungen, Fakultäten, …), Gremienarbeit, Dokumentationen und langwierige Verwaltungsvorgänge. Ich befürchte, bei diesem Kollegen liegt eine Mischung aus allen Punkten vor. Gerade wenn Professoren sehr engagiert sind, laufen sie Gefahr, viel Zeit mit Zeitfressern zu verbringen. Wie sollten sie sich auch sonst an ihrer Hochschule engagieren? Das Buch "Aal: Andere arbeiten lassen …" wird dazu ein paar Ideen skizzieren.


Wie hilfreich, effektiv, effizient und freudvoll es für Unternehmen, Hochschulen und andere Organisationen und damit für die Menschen sein kann, _weniger_ zu arbeiten, habe ich im Blog vom 9 Feb 2017 beschrieben: Arbeitet weniger … Auch Krankenversicherungen fördern dies [3].

Leserfeedback via twitter

Der kurze Dialog mit dem Hochschulprofessor auf twitter ist als Leserfeedback für die Arbeit am Aal_Buch sehr hilfreich [4].


Wenn ich in der Beispielrechnung aus dem Kapitel "Was ist Lehre Wert?" von einem Stundenhonorar eines Professors von 41 Euro ausgehe (74.000 Euro/1800 Stunden), verschiebt sich die Rechnung minimal. Statt 70 Euro pro Arbeitsstunde nehme ich 60 Euro an und es ergeben sich 120 Euro pro Unterrichtseinheit bei 2 Stunden Aufwand pro Unterrichtseinheit für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Lernveranstaltung einschließlich Aufgabenstellung für die Leistungsnachweise sowie ihre Beurteilung und Bewertung.


Also sind es immer noch 85 Euro Differenz pro Unterrichtseinheit zwischen Hochschulprofessoren und externen Dozenten.


Es bleibt dabei: Es gibt noch viel zu tun.


Und der Dialog auf Twitter zeigt: für und durch die Professoren an Hochschulen und Universitäten zusammen mit all den anderen Akteuren, um die es im Aal_Buch geht, gibt es noch viel zu _lassen_.


Christa Weßel - 26 November 2018

 

Lesestoff

  1. schnelle-online.info Informationen für Deutschland. Anzahl der Arbeitstage 2018 pro Monat in Deutschland je Bundesland. - https://www.schnelle-online.info/Arbeitstage/Anzahl-Arbeitstage-2018.html [Zugriff 26 Nov 2018]
  2. Weßel C. Entdecken … Beobachtungen, Interviews und Fragebögen kompakt und kompetent angewendet. Weidenborn Verlag 2017.
  3. Weßel C. Arbeitet weniger … Auch Krankenversicherungen fördern dies. Blog vom 9 Feb 2017.
  4. Weßel C. Work in Progress. Extracts from my next book. [started summer 2018]


Blogrubrik Lernen & Lehren


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