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Refugium: Kapitel 1 (Leseprobe)

Heute habe ich den Auftrag für die Druckerei bestätigt und die Dateien für den Buchblock (Manuskript) und den Bucheinband abgeliefert. Also ist es auch Zeit für die erste Leseprobe aus  "Refugium: Vom Bücher schreiben, machen & verbreiten auf einem Boot". Es geht los mit Kapitel 1. 

 

Vendée Port

Logbuch SYC, So, 27 Dez 2020 17:00

SW 5-6 Bf, 971 mbar, 5 Grad, Regen

Der Sturm hat im Verlauf des Vormittages nachgelassen. In der Nacht Böen bis 10 Bf aus SW. Heute Abend soll auch der Regen aufhören. Soweit alles ok an Bord und mit den Nachbarbooten. Salontag.

 

Der Salon ist der Hauptraum des Bootes. Wenn ich nicht rausgehe, ist dieser Tag ein Salontag – oder wie Rudi Moos es nennt: Power-Couching. 

Das Kapitel Logbuch im Teil iv crew enthält einige Erläuterungen und Begriffe aus der Wetter-, Boots- und Seglersprache. Dies sind Aufzeichnung aus dem Logbuch eines Segelbootes, das im Hafen einer kleinen Stadt in der Nähe der Nordsee liegt und dort überwintert. Ganz anders ergeht es einigen Profiseglern, die zu dieser Zeit unterwegs sind. 

 

Die Vendée Globe ist die härteste Non-Stop-Segelregatta um die Erde (Globe). Start und Ziel ist die französische Atlantikküste vor Les Sables-d’Olonne, Provinz Vendée. Alle vier Jahre im November machen sich Einhand-Segelprofis auf den Weg den Atlantik hinunter, ostwärts durch die Südpolarmeere und nach Kap Hoorn wieder den Atlantik hinauf. Sie sind nach zweieinhalb bis dreieinhalb Monaten wieder in Les Sables-d’Olonne. Die meisten jedenfalls. Einhand bedeutet, die Crew besteht aus einer Seglerin oder einem Segler. Eine Hand ist am Boot (sich sichern), die andere frei. 2020/2021 konnte diese Regatta trotz der Corona-Pandemie stattfinden. Was hat dies mit dem Schreiben, Machen und Verbreiten von Büchern zu tun? 

 

Seit gut zehn Jahren schreibe ich an Bord eines Segelbootes. Zunächst jeweils einige Wochen. Wenn eine Version fertig und bei den Testlesern war, gab es eine Pause an Land. Zeit für andere Arbeiten. 2020 wurde durch die Corona-Pandemie alles anders. Weltweit. Ein Freund fragte im März 2020: "Wann kommst du wieder?" – "In einem Jahr", war meine spontane Antwort. Ich ahnte nicht, dass ich tatsächlich so lange an Bord bleiben würde. 

 

Als die zweite Corona-Welle, wie zu erwarten war, im Herbst 2020 zu erneuten zunächst vorsichtigen und dann zu Weihnachten starken Lockdowns führte, wurde klar: nach Frühling und Sommer würde ich auch Herbst und Winter an Bord verbringen. Die Entscheidung fiel Ende Oktober. Die Berichterstattung über die Regatta auf vendeeglobe.org hatte ich bereits seit einigen Wochen verfolgt. Als mir klar wurde, dass ich vielleicht ungefähr während der Wochen "an Land gehen" würde, in denen die Segler wieder in Les Sables-d’Olonne eintreffen, tauchte der Satz auf: "Dann wird das hier meine Vendée Port." 

 

Im Verlauf des Sommers und Herbstes 2020 habe ich (wieder einmal) ein Buch geschrieben: Sozioinformatik: Von Menschen & Computern . . . und Bibern, kurz der Biber, und am 4. Januar 2021 im Weidenborn Verlag veröffentlicht. Etliche Menschen hier im Hafen haben aufrichtig Anteil daran genommen. Neben ihrem Interesse am Thema des Buches tauchten weitere Fragen auf. 

 

"Wie ist es so, auf einem Boot zu leben und zu arbeiten?" – "Wie funktioniert das eigentlich mit dem Schreiben? Wie geht das? Wer ist noch daran beteiligt? Wie geht das Buch denn dann in den Druck? Was tust du, damit andere vom Buch erfahren und es kaufen? Was gibt es eigentlich sonst noch für Aufgaben bei so einer Buchveröffentlichung? Und wie setzt sich der Ladenpreis für das Buch zusammen?" 

 

Dieses Buch ist ein "making-of", wie für die Entstehung eines Kinofilms. Der biber erzählt, wie nützlich Geschichten, insbesondere Science-Fiction- und andere Filme, in der Arbeitswelt und im Lernen & Lehren sein können: als Reflexionsgrundlage und Entwicklungsinstrument. Etliche Kapitel des bibers beginnen mit einem Film und einigen Fragen zum Thema. Also ging mir bei einem meiner Spaziergänge durch den Sinn: Dann ist das Buch Refugium das Making-of zum biber. Es erzählt vom Schreiben, Machen und Verbreiten von Büchern an einem besonderen Ort in einem ungewöhnlichen Jahr: auf einem Boot im ersten Jahr einer Pandemie. 

 

Wie in meinen früheren Büchern gibt es wieder ein "Wappentier". Nach den Elchen (2017), dem Aal (2019) und dem Biber, der 2020 entstand und im Januar 2021 erschien, ist es nun Paul, der Kormoran. Er ist mit seiner Familie und Freunden ein Bewohner der großen Lagune hier neben dem Hafen und wacht mit Vorliebe auf einem Pfahl an der Mole zwischen Hafen und Lagune über die Geschicke dieses schönen Fleckchens Wasser und Land.

 

post scriptum: SYC ist das Kürzel für Segelyacht C... (Name des Bootes). Und wieder sind unabhängig von der verwendeten Geschlechtsform jeweils alle Menschen gemeint. 

 

aus: Weßel C. Refugium: Vom Bücher schreiben, machen & verbreiten auf einem Boot. 

S. 7 bis 9.

ISBN 978-3-947287-08-6 

Weidenborn Verlag, vorgesehenes Erscheinungsdatum: zweite Oktoberhälfte 2021. 

 

Kurzbeschreibung & Inhaltsverzeichnis: blog 25 März 2021 

 

Und nun? Heute ist es deutlich wärmer und sonniger als am 27 Dez 2020. Zeit für einen Spaziergang.

 

Christa Weßel - Mittwoch, 08 Sep 2021

 

Work in progress: Refugium 

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