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Was brauchen Lehrende? Lernen!

... für "How to become and stay a good teacher"

Lernen, Lehre, Lernen und Lehren als Einzelne, in Gruppen, als Organisation (Firma, Institution). Wie funktioniert das? Wann machte es Freude? Wann ist es effektiv? Wann ist es effizient?

In der Klinik lautet der Grundsatz: sobald du mehr weißt als der Mensch, mit dem du gerade arbeitest, teilst du dein Wissen mit ihm, bringst ihm etwas bei. So gesehen, habe ich schon dort gelehrt. In der Beratung, als Externe (Unternehmensberatung) und als Interne (Qualitätsmanagement und Medizincontrolling) waren Seminare und Workshops an der Tagesordnung. An der Universität kam schließlich das Rüstzeug aus Pädagogik und Didaktik dazu: an der RWTH konnte ich mit Kollegen zum einen Continued Multidisciplinary Project-Based Learning (CM-PBL - Weßel / Spreckelsen 2009) entwickeln, und zum anderen an der Einführung des Problem- und Fall-basierten Lernens (PBL) in der Medizinischen Fakultät mitwirken (Baumann und KollegInnen 2007).

 

Wichtig ist, das sehen wir auch in unserer Studie "Blended Learning and Visiting Lecturers" (BLaVL, Blog vom 20.12.2011), als Lehrende selbst immer wieder auch und gerade theoretische Kenntnisse zu vertiefen und mit Kollegen auszuprobieren, kurz: zu lernen wie wir lehren können.

 

Das Basisseminar Lehre vom Zentrum für Hochschuldidaktik der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (ZHP) war dazu hervorragend geeignet: ein sehr guter Lehrer und eine Gruppe von 15 Menschen mit vielfältigen beruflichen Hintergründen und Lehrerfahrungen zwischen 0 und 20+ Jahren. In der Nachbereitung dieses Tages bin ich noch mal unter anderem in die Themen Lernziele und PBL eingestiegen.

 

Wie funktioniert es nun mit Lernen und Lehren?

 

Learning in Action - Lernziele mit Lernmethoden verknüpfen

[07.03.2018: Diesen Abschnitt aktualisiert]

 

In der Beschreibung von Lernzielen hat sich Benjamin Bloom in den 1950er bis 1990er Jahren große Verdienste erworben (Bloom 1984). Einen guten ersten Überblick bieten in Kombination der deutsche und der englische Eintrag auf Wikipedia. Mit der Darstellung vom „Bloom’s Taxomomy – Learning in Action“ ist dem Zeichner eine sehr schöne und klare Darstellung gelungen, wie wir Lernziele beschreiben und - wichtig - auch überprüfen können.

 

Als Lehrende frage ich mich jeweils: Wie setze ich das um? Derzeit lauten meine Antworten wie folgt:

  1. kennen - nennen, definieren - Lehrende: vorstellen
  2. verstehen - erklären - Lernende und Lehrende: Dialog
  3. anwenden - ausführen, benutzen - Lernende: Übung
  4. analysieren - Aussagen auf Richtigkeit überprüfen, auswerten - Lehrende: Fallbeispiel entwickeln; Lernende: damit arbeiten
  5. synthetisieren - verallgemeinern, übertragen auf einen anderen Fall - Lernende: bspw. eigenen Fall entwerfen
  6. bewerten - Stellung nehmen, beurteilen - Lernende: eigenen oder anderen Fall reflektieren und begründete Schlüsse ziehen
Soweit Bloom. Abschluss- und Doktorarbeiten gehen noch einen Schritt weiter.
7. kreieren - schöpferisch arbeiten, etwas Neues entwickeln - Lernende: eigene Forschungs- oder Entwicklungsidee umsetzen; Lehrende: Begleitung  (Blog vom 11.06.2014)

7 Schritte im Problem- und Fall-basierten Lernen

Im Problem- und Fall-basierten Lernen wie es in Maastricht, McMaster oder auch an der Charité umgesetzt wird, ist der Zugang dabei folgender: Die Studierenden sollen mit Hilfe der 7 Schritte bis Synthese, Bewerten und Überprüfen gelangen:

  • Moderierte Arbeitsgruppe - Treffen 1
  • Schritt 1: Klärung von Begriffen und noch nicht verstandenen Konzepten (Dialog)
  • Schritt 2: Problembeschreibung (kurze Darstellung)
  • Schritt 3: Analyse + Hypothesengenerierung (Brainstorming)
  • Schritt 4: Ordnen der Hypothesen (Diskussion + Konsens)
  • Schritt 5: Lernziel-Formulierung (Diskussion + Konsens)
  • Eigenstudium - Zwischenzeit
  • Schritt 6: Recherche
  • Moderierte Arbeitsgruppe - Treffen 2
  • Schritt 7: Synthese, Schlussfolgerungen (bspw. in der Medizin: weiteres Vorgehen hinsichtlich Diagnostik und Therapie) und Überprüfung der neuen Erkenntnisse (Dialog)

In diesen sieben Schritten des PBL gehen die Lernenden bis zur sechsten, eventuell sogar bis zur siebten Kompetenzstufe der Lernziele. Dies führen sie in den Studiengängen, die nach PBL ausgerichtet sind, vom ersten Semester an durch. Der Trick beim PBL ist, den Anspruch und die Komplexität der Fälle und damit die Anforderungen an die Lernenden Jahr für Jahr langsam zu steigern.

 

Konkret kann dies in den Studiengängen Bachelor, Master und PhD bedeuten, Fallstudien, Seminararbeiten und Abschlussarbeiten an allen sieben Kompetenzstufen zu orientieren, und in der Beurteilung den Status der Studierenden zu berücksichtigen: Bachelor, Master, PhD (vgl. Weßel 2008). Die Lehrenden müssen sich dabei immer wieder bewusst machen, nicht ihre eigenen Ziele sondern Ziele, die den Studierenden angemessen sind, zu wählen.

 

A teacher is a facilitator, mentor, guide

Als Lehrende sehe ich mich dabei als „Facilitator, Mentor, Guide“ (Weßel / Spreckelsen 2009 , S. 562). Dass damit der Aspekt des Coaching in meine Lehre und dann auch in meine Beratungsarbeit hineinkam, hat mir ein Kollege vor fast zehn Jahren bewusst gemacht: "Christa, weißt du eigentlich, was du mit den Studenten machst?" - "?" - "Du coacht sie." Seine Frage war der Auslöser, mich auch theoretisch mit Coaching zu beschäftigen. Der Kollege hat damit meinen Weg als Coach mit einem spürbaren Start versehen.

 

Christa Weßel - Sa, 11. Februar 2012

 

Quellen [am 01.01.2018 hinzugefügt]

  • Baumann M, Claßen-Linke I, Herrler A, Ohnesorge-Radtke U, Spreckelsen C, Weßel C. Curriculum "Neue Medien, Kommunikation, Didaktik in der Medizin". Aachener Schriften zur Medizinischen Informatik 2007; 02. Aachen: RWTH Aachen, Institut für Medizinische Informatik 2007. - PDF
  • Bloom BS. Taxonomy of Educational Objectives. 2nd edition (1st 1956). Reading, MA, Addison Wesley 1984.
  • Weßel C. Continued Multidisciplinary Project-Based Learning (CM-PBL). Frame and Assessment Criteria. Published under the Creative Commons Public License Attribution-Non-Commercial-Share Alike 2.0 Germany 2008 - pdf 
  • Weßel C, Spreckelsen C. Continued Multidisciplinary Project-Based Learning - Implementation in Health Informatics. Methods Inf Med. 2009; 48 (6): 558-563. - http://methods.schattauer.de/en/contents/archivestandard/issue/1003/manuscript/11533.html

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