moodle Pudel

Über die Geschwindigkeit von Veränderungen, auch an Hochschulen

Gestern ging das Seminar Change Management im Studiengang Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt Sales and Consulting an der DHBW Mannheim zu Ende. Gleichzeitig lehre ich in diesen Wochen an der Hochschule Furtwangen (HFU) Sozioinformatik. Auch dort werden wir in dieser Woche die Module abschießen.


"Es ist sehr interessant, gleichzeitig an zwei Hochschulen zu lehren, zumal wenn ich an der einen seit fast sieben Jahren bin und an der anderen neu." - "Und? Welche ist besser?" - "Keine. Licht und Schatten gibt es in jeder Organisation. Und wenn ich eine Organisation von der Größe der DHBW betrachte, die sich erst vor zehn Jahren aus einer Berufsakademie zu einer Hochschule gewandelt hat, wird wieder einmal deutlich: Veränderungen in großen und dann auch noch verteilten Organisationen dauern. Vor allem dann, wenn auch noch ein gewisser behördlicher Geist darin mitschwingt." - "Was hat sich denn getan? Ich habe ja nicht deine Vergleichsmöglichkeiten."


Dieser Kollege,  Professor an der DHBW, hat also die Gelegenheit genutzt: Was sagt eine Organisationsentwicklerin, zu deren Expertise auch das Organisationale Lernen gehört, über seine Hochschule? Wir haben über einiges gesprochen. Ein Punkt sei hier heraus gegriffen: das e-Learning, das an dieser Hochschule für Studierende, Professoren und externe Dozenten das Blended Learning erst möglich macht.


Blended Learning (aus Weßel / Wolff 2012):
"ist charakterisiert durch die Anwendung verschiedener („blend“) Lern- und Lehrmethoden. Derzeit wird hierunter in der Regel die Trias Präsenzlernen, Eigenstudium und Verwendung einer elektronischen Lernplattform durch Lernende und Lehrende gemeinsam verstanden. Durch seine Methodenvielfalt stärkt es das ganzheitliche und somit nachhaltige Lernen [Uc2003, WHSS2009]. Elektronische Lernplattformen, die das eLearning ermöglichen sind mehr als reine Content Management Systeme (CMS). eLearning umfasst Repositories, Communities, ePortfolios, Expertenprofile, (Zugang zu) Bibliotheken, Planung und Management von Lehrveranstaltungen, Unterstützung von Monitoring und Evaluation [Ke2009, CM2011]. Beteiligte, englisch Stakeholder, sind fest angestellte Lehrende, externe Lehrbeauftragte, Hochschulverwaltung, inklusive Hochschulleitung und Studiengangsleiter, IT-Administratoren und die Studierenden."


Die DHBW nutzt moodle - von mir auch moodle Pudel genannt, weil es manchmal etwas "gelockt" zugeht. Fazit derzeit: moodle hat sich sehr gemausert. Ist fast immer stabil und zuverlässig und erfüllt Jakob Nielsons Usability-Kriterien nahezu vollständig: Erlernbarkeit, Effizienz, Effektivität, Einprägsamkeit, Fehlerrate und Grad der Zufriedenstellung. Was die Arbeit mit moodle zum Vergnügen macht, ist - wie meist bei IT - der sozio-Anteil der Sozioinformatik: die Menschen. Ein sehr zuverlässiger Administrator an der DHBW und die zunehmende Bereitschaft der Studierenden, Lehrenden und der Mitarbeiter der Hochschulverwaltung, moodle zu nutzen. Außerdem hat die Hochschule ihre Verwaltungsabläufe in den Bereichen gestrafft, die ich als externe Dozentin erlebe.


Diese Veränderung hat mehrere Jahre gedauert. Andere stehen noch aus. Die Hochschule muss zum Beispiel entscheiden, ob sie sich mit ihren derzeit neun Standorten und drei Campus föderal oder zentralistisch organisieren will. Wenn dies nicht klar ist, fließt zu viel Energie in klärende Debatten. Und damit stehen dort alle vier Elche wieder herum: Macht, Beziehungen, Karriere, Fehler (mehr dazu in meinen Büchern.) Außerdem sollte die Hochschule Chancen nutzen, sich auch in der akademischen Welt zu profilieren.


Ein einfaches Beispiel: An der HFU ist es selbstverständlich, dass jede Person dort, Studierende, Lehrende, Verwaltung, technischer Support und auch externe Lehrende einen e-mail-account mit vollständigem Namen erhalten. Prima: also konnte ich mich endlich auf researchgate anmelden. Researchgate ist eine Plattform, auf der Wissenschaftler ihre Publikationen zur Verfügung stellen. Der Haken: Sie brauchen eine Institution. Der Nutzen für die Hochschule: die wissenschaftlichen Aktivitäten ihrer externen und internen Lehrenden und Lernenden nehmen Menschen weltweit wahr.

Naja, als s@student<nummer>.dhbw-mannheim.de wollte ich mich dort nicht anmelden. Dies ist die einzige Variante, die die DHBW - hoffentlich nur noch auf absehbare Zeit - externen Dozenten zubilligt. Auch für Studierende finde ich es nicht attraktiv, eine Nummer in den e-mail-accounts zu sein. Das hat etwas mit Unternehmenskultur und somit mit Veränderungen in Unternehmen zu tun.


Darum ging es auch immer wieder im gestern zu Ende gegangenen Seminar Change Management an der DHBW. Wie war es diesmal? Ein etwas zäher Beginn. Im Vergleich zu meinen anderen Seminaren im Consulting (C) und in der Sozioinformatik (SI) sehr wenig Zeit, nur vier Nachmittage. Eine deutlich höhere Anzahl an Studierenden: mehr als zwanzig, statt der in diesem Jahr fünfzehn (C), bzw. fünf Studierenden (SI). Und ein gewisser Ermüdungsfaktor bei den Studierenden: Die Bachelorarbeit ist abgegeben. Nun kommen im sechsten Semester noch ein paar Lehrveranstaltungen. Dann ein paar Wochen im Unternehmen, eine Abschlussprüfung und die Verleihung der Zeugnisse in der "Night of the Graduates". Von den Studierenden habe ich einige Impulse bekommen, wie ich bei einem solch dichten Setting - vier Nachmittage mit zwanzig Studierenden verteilt über sechs Wochen - mehr Dynamik hineinbringen kann.


Außerdem ist auch in diesem Seminar etwas passiert, was schon in einigen früheren Seminaren vorkam: Es war wieder eine sehr gute Seminararbeit dabei. Adermann und Kolleginnen haben hervorragend ein Szenario entwickelt, das eine Veränderung, einen Change erforderlich macht. Sehr gut gelungen ist den Autorinnen die Darstellung wissenschaftlich fundierter Modelle aus dem Change Management, der Organisationsentwicklung und der Mensch-Maschine-Interaktion und die Anwendung auf das Szenario dieser Arbeit aus der Perspektive externer Berater und Change Manager. Doch lesen Sie selbst:


Adermann M, Bub V, Buchner V, Schröder C. Einführung von Self-Checkout-Kassensystemen. Seminararbeit im Fach Change Management. Studiengang Wirtschaftsinformatik. DHBW Mannheim 2017. - PDF


Links zu den anderen sehr guten Arbeiten finden Sie in den Ressourcen.


Themen-, nein Hochschulwechsel. Nun steht der Abschluss in Furtwangen an. Morgen und übermorgen geht es ins Kühle, in den Schwarzwald. Sehr schön, auch wenn ein summer in the city seinen Reiz hat.


Christa Weßel - 21.06.2017


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