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and electronic Media | Was war im Startworkshop Sozioinformatik?

Vorgestern startete die Workshopreihe Sozioinformatik an der Hochschule Furtwangen im Schwarzwald. Genauer gesagt handelt es sich um die Module "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze"  im Studiengang IT-Produktmanagement mit dem Schwerpunkt Sozioinformatik.

 

Eine ausführlich Beschreibung dieser Lernveranstaltung (kein Schreibfehler) finden Sie auf
Veränderung.Gestalten.Lernen. und zwar unter https://www.veraenderung-gestalten-lernen.de/seminare/sozioinformatik/ und Unterseiten. Auf diesen Seiten geht es um Inhalt und Lernziele, Ablauf und Termine, Leistungsnachweise: Portfolio (Modul "Informatik im sozialen Kontext"), Seminararbeit (in Kleingruppen, Modul "Soziale Netze") und Literatur.

 

Die beiden Module "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze" erstrecken sich zusammen über acht Termine im Workshopformat von jeweils eineinhalb Tagen. Beide Module sind so eng miteinander verzahnt, dass nur Studierende teilnehmen können, die beide Module belegen. Außerdem sind Kenntnisse in Empirischen Methoden und Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften für das Modul "Soziale Netze" erforderlich - wie auch in der Modulbeschreibung der HFU erwähnt.

"Wie viele Folien hat eine gute Lernveranstaltung?" - "Keine!" Antwort des Dozenten im Basisseminar Lehre vom Zentrum für Hochschuldidaktik der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (ZHP) - Blog vom 11.02.2011.

 

Die Dokumentation und damit das Lernmaterial für die Studierenden besteht zum einen aus den genannten Seiten auf Veränderung.Gestalten.Lernen. und dort verlinkten Seiten und diesem Blog. Hier werde ich - so der Plan - über unsere Workshops berichten und eine Präsentation hinterlegen, die die Basis für das Skript ist, dass ich für Lernveranstaltungen vorbereite. Die Studierenden erhalten dies jeweils _nach_ der Lernveranstaltung. Sie können die Präsentation als Gerüst für die Nachbereitung und Reflexion des Workshops verwenden.

 

Lernen sollte auch im geschützten Raum stattfinden. Daher hinterlegen wir die Arbeiten der Studierenden in unserem virtuellen Kursraum auf der eLearning-Plattform der Hochschule.

 

KENNENLERNEN, EINANDER UND DAS THEMA [16]

 

Arbeit im Raum - nicht im Raum, sondern bei schönsten Frühlingswetter natürlich draußen [19.4]:

o Wo sind Sie geboren? - Landkarte.
o Wo ist jetzt Ihr Lebensmittelpunkt? - Landkarte.
o In welchen Branchen haben Sie Praxiserfahrungen gesammelt? - Vier Ecken: IT, Event, Gesundheits- und Sozialwesen, Bildung.
o Wie schätzen Sie Ihre Kenntnisse in der Sozioinformatik ein? - Linie als Skala: 0 Novize, 50 So lala, 100 Schwarzer Gürtel.
o Was erwarten Sie von dieser Lernveranstaltung? Vier Ecken: Neues lernen, ECTS (Leistungsnachweise), Zeit absitzen, Spaß.

 

Schon hier draußen ging es natürlich auch um die Frage "Was ist Sozioinformatik?" [Kling 2000] - Antwort der Studierenden: Was macht die Technik mit den Menschen? Was machen die Menschen mit der Technik?

 

Dann ging es wieder unter Dach und Fach und wir haben Organisatorisches wie Termine und Leistungsnachweise besprochen und uns dann der Frage gewidmet "Was ist Sozioinformatik für Sie?" Die Antwort gaben die Studierenden mit einer Visualisierung auf den Tafeln [19.33] - ganz klassisch mit Kreide. Also werden wir in diesem Seminar nicht zum Abholzen der Wälder durch den intensiven Verbrauch von Flipchartpapier beitragen. Sehr schön.

WISSENSCHAFTLICHE UND PROJEKTARBEIT MIT DEN 8+1 W [19.2]

 

Wer, wie, wie, was, wieso, weshalb, warum?
Kommt Ihnen das bekannt vor? Richtig: Dies ist aus der Titelmelodie der Sesamstraße.

 

Die 8+1 W - Wozu? Warum? Was? Wer? Für Wen? Wie? Wann? Wo? + Woher? lassen sich hervorragend für Projektkonzeptionen, - steuerungen und -abschlüsse verwenden. Auch wissenschaftliche Arbeiten sind Projekte. Mehr zu dieser Methode auch im Blog vom 13.05.2016 und vom 09.11.2016.

 

Dabei ging es auch um Smarte Ziele [19.37], um Sprache [11.2] und um Komfort-, Stretch- und Panikzonen.

LERNEN DURCH GESCHICHTEN [19.20]

 

Geschichten sind die älteste Methode der Dokumentation, Überlieferung und des Lernens. Sie tragen zu unserer Identitätsbildung bei.

 

Geschichten unterhalten uns. Fiktive und echte Geschichten aus Forschung und Entwicklung, von erfolgreichen Unternehmen und Unternehmungen können uns inspirieren, etwas Ähnliches zu tun und Neues zu entdecken. Die Handfunkgeräte aus der Fernsehserie „Star Trek“ in den 1960ern haben so manchen Ingenieur zur Entwicklung von Mobiltelefonen angeregt. Die Geschichte von Sir Ernest Shackleton und seinen Gefährten, die er 1914 bis 1917 alle lebend aus dem Eis der Antarktis gebracht hat, inspirieren Menschen wie Dennis Perkins zu Führungskräfteseminaren der besonderen Art. Perkins hat auch das Bild des Elchs auf dem Tisch bekannt gemacht. [Elche fangen (2015), S. 219)

 

Seit etlichen Jahren nutze ich in meinen Lernveranstaltungen Filme als Reflexionsgrundlage. Gute Filme sind in meinen Augen ebenso bedeutende Kunstwerke wie Werke aus der Literatur, der bildenden Kunst, der Oper und dem Theater.

Science Fiction liegt in seinen Zukunftsbildern oft sehr nahe an dem, was Jahre oder Jahrzehnte später eintritt. Darin schließe ich mich dem Zukunftsforscher Bernd Flessner und vielen anderen Kollegen an. Informatik ist bereits mittendrin in der Science Fiction, wenn wir uns allein die derzeitigen Entwicklungen von Smart and Cognitive Cities ansehen - zum Beispiel im Informatik Spektrum, Band 40, Heft 1, Februar 2017.

 

Wir haben uns in diesem Workshop den Film "The Martian" (Ridley Scott, 20th Century Fox 2015) gewidmet.

Bevor die Studierenden den Film (erneut) sehen, stelle ich ihnen einige Fragen, die wir zusammen mit einigen weiteren Fragen nach dem Film besprechen. Der Trick: Die Studierenden schlafen eine Nacht darüber, bevor wir in den Dialog [19.10] eintreten: Donnerstag Film, Freitag Reflexion.

 

Die Fragen lauteten diesmal:

Verteilte Teams - Fragen vor / zum Film "The Martian" (Do)

o Was zeichnet ein verteiltes Team aus?
  Fachlich, methodisch, sozial
o Wie ist es zusammen gesetzt?
o Wie organisiert es sich?

 

Teammitglieder, Führungskraft / -kräfte, Auftraggeber und Öffentlichkeit?
o Welche Aufgaben?
o Welche Verantwortungen?
o Welche Rollen?

 

Verteilte Teams unter Druck --> weitere Fragen zum Film "The Martian" (Fr)
o Welche Teams bilden das verteilte Team?
o Welche Rollen und Aufgaben einzelner Personen und Teams erkennen Sie?
o Welche Phasen der Gruppen- und Teambildung erkennen Sie?
o Wie erfolgen Kommunikation, Entscheidungen, Planungen, Problemlösungen und Ressourcenmanagement?

 

Es ist unter anderem eine sehr interessante Netzwerkanalyse dabei herausgekommen. Da die Studierenden und ich verabredet haben, dass ihre Visualisierungen nur in unserem geschützten Kursraum auf der eLearning-Plattform der Hochschule zur Verfügung stehen, kann ich Ihnen leider diese Visualisierung nicht zeigen.

 

Natürlich habe ich den Studierenden auch die Arbeit ihrer Kollegen Brockmann, Lenz und Zerr empfohlen, die aus der Analyse dieses Film nützliche Checklisten für die Arbeit von verteilten Teams unter Druck entwickelt haben (Blog "Bringt Mark nach Hause" vom 01.04.2017)

 

BERUFSVERBAND - AUCH SCHON ALS STUDENTIN UND STUDENT!

 

Auf die Frage, ob sie schon im Studium in einen Berufsverband eintreten sollten, lautet meine Antwort lautet eindeutig: "Ja. Wenn Sie in die Gesellschaft für Informatik (http://gi.de/) können Sie für 21,50 € pro Jahr (!) zum Beispiel die Zeitschrift Informatik Spektrum und viele andere Fachliteratur online abrufen und für die eher haptischen Menschen unter Ihnen: Sie bekommen die Zeitschrift Informatik Spektrum auch als Heft zugesendet. Außerdem gibt es zahlreiche Arbeitsgruppen und einige große und kleine interessante Konferenzen - wie beispielsweise die http://informatik2017.de/ im September und die http://pvm-tagung.de/ im Oktober." (Blog vom 25.03.2017).

 

Wir haben gestern begonnen, über Netze, Netzwerke und Netzwerkanalysen zu sprechen. In einem Berufsverband können Sie Netze weben. Persönlich und digital. Und er macht schlauer.

KOMMUNIKATION [11 und 12] UND GRUPPENDYNAMIK [16]

 

Nach so vielen Seminarstunden, wir gingen ins letzte Drittel des Workshops, war es Zeit, auch über die theoretischen Hintergründe zu sprechen, nachdem wir selbst geformt, gestürmt, genormt und auch performt hatten (D-English).

 

Wir besprachen die fünf Phasen der Gruppendynamik nach Tuckman und schauten uns dazu sowohl unseren eigenen Verlauf an, als auch den im "Marsianer". Wie wir als Teammitglieder, Teamleiter und Moderatoren [15] diese Phasen konstruktiv gestalten können, haben wir anhand der Unterscheidung von "Facts and Feelings" und dem Eisberg-Modell, das Paul Watzlawick zugeschrieben wird, untersucht. Die Rollen alpha, beta, gamma und omega nach Raoul Schindler und die Chancen und Risiken der vier "Elche" rundeten das Thema ab (Perkins 1988; Weßel 2013 und 2015).

 

Wichtig für unsere weitere Arbeit ist: Wir werden über das ganze Semester die fünf Phasen durchlaufen und sie auch in jedem Workshop erleben. Wenn Studierende die Gruppe verlassen oder neue hinzu kommen - biz zum 15.04. ist dies laut HFU noch möglich - fangen die fünf Phasen erneut mit dem Kennenlernen, dem Formen an.

 

WAS IST IT-PRODUKTMANAGEMENT?

 

Diese Frage untersuchten die Studierenden in Kleingruppen mittels einer Mindmap [19.19], dessen Äste die 8+1 W bildeten. Sie sollten dabei auch die drei Arten des Profits - es gibt mehr als Geld - nach Peter Senge berücksichtigen: product, people, planet [7.3 und Senge 2006].

 

Dies diente zur Definition der

LERNZIELE

 

Natürlich hat die Hochschule in den Modulbeschreibungen Inhalte und Lernziele zusammengefasst, die ich auch in der Seminarbeschreibung vorgestellt habe.

Wichtig ist für einen nachhaltigen Lernerfolg, dass die Lernenden ihre Lernziele selbst definieren und dann zusammen mit dem Lehrenden auf die Hochschulbeschreibungen abstimmen.

 

Sehr gut zu erkennen war auch, dass wir in diesem ersten Workshop bereits sehr viel aus den Themen und Lernzielen angesprochen und erarbeitet haben. Klar, ist ja auch der Einstieg. In den weiteren Workshops dieses Semesters wird es um die Vertiefung und natürlich auch um die noch offenen Themen und Lernziele gehen.

Wichtig ist, dass die Studierenden und die Lehrende diese Lernziele im Semesterverlauf sich immer wieder vor Augen halten und bei Bedarf auch neue hinzunehmen, bestehende anpassen und vielleicht auch einmal ein Lernziel auf eine andere Lernveranstaltung im weiteren Studien- und Berufsverlauf vertagen. Manche Lernziele, wie zum Beispiel Gefahren von IT, Internet of Things und Smart Cities, werden die Studierenden noch sehr lange begleiten - und die Lehrende auch. Denn das ist ein Nutzen des Lehrens: ich lerne mit und von den Studierenden.

 

ENDSPURT

 

In der letzten Phase dieses Workshops haben sich zum einen die Portfolio-Buddies gefunden und zum anderen die Kleingruppen, die gemeinsam eine Seminararbeiten anfertigen werden. Auch die Themen - wunderbare Themen, ich bin entzückt - haben die Studierenden gefunden. Ich gespannt, ob sie es sich noch anders überlegen werden. Denn - wie bei allen wichtigen Entscheidungen: "Schlafen Sie eine Nacht darüber."

 

Auf jeden Fall lautet die

 

AUFGABE

 

Seminararbeit: zum nächsten Workshop das Szenario beschreiben und eine erste Projektskizze anfertigen. Die Studierenden stellen dies der Gruppe vor und haben die Gelegenheit, Fragen zu stellen, sich den Fragen ihrer Kollegen und der Lehrenden zu stellen und Ideen und Anregungen zu erhalten.

 

Außerdem gibt es

LESESTOFF

 

In Nachbereitung des Workshops (in der Reihenfolge ihrer Erwähnung):

 

Weßel C. Workshopreihe "Sozioinformatik" zu den Modulen "Informatik im sozialen Kontext" und "Soziale Netze". Bachelor-Studiengangs IT-Produktmanagement mit dem Schwerpunkt Sozioinformatik an der Hochschule Furtwangen (HFU) Sommersemester 2017. - 30./31.03. - Workshop 1: Einstieg - PDF
  • Kling R. Learning About Information Technologies and Social Change: The Contribution of Social Informatics. The Information Society, 2000; 16: 217–232. - PDF
  • Bernd Flessner. Zukunftsforscher. - http://www.bernd-flessner.de/
  • Scott R. The Martian. 20th Century Fox 2015. - The Martian | Official HD Trailer #1 | 2015. 20th Century Fox UK. - URL
  • Brockmann N, Lenz E, Zerr T. Bring him home - Virtuelle Teams unter Druck. Seminararbeit im Fach Consulting: Sozial- und Methodenkompetenz. Mannheim, DHBW Mannheim – Studiengang Wirtschaftsinformatik 2016. - PDF
  • Tuckman B. Developmental sequence in small groups. Psychological Bulletin 1965; 63 (6): 384-99. - PDF
  • Tuckman BW, Jensen MAC. Stages of small group development revisited. Group and Organizational Studies 1977; 2: 419- 427. - PDF
  • Watzlawick P. The situation is hopeless but not serious. The pursuit of unhappiness. New York, Norton 1993. [Blog vom 13.04.2016]
  • Schindler R. Grundprinzipien der Psychodynamik in der Gruppe. Psyche 1957; 11: 308-314.
  • Perkins DNT. Ghosts in the executive suite: Every business is a family business. Branford, CT, Syncretics Group 1988. - zitiert in Cummings TG (Ed). Handbook of Organization Development. Los Angeles, Sage Publications 2008, S. 464 ff.
  • Senge PM. The Fifth Discipline. The art and practice of the learning organization. Revised edition. London, Doubleday 2006. - (1st edition 1990). - deutsch: Senge PM. Die fünfte Disziplin: Kunst und Praxis der lernenden Organisation. Stutgart, Schäffer-Poeschel 2011.
  • Für Ihre Literaturarbeit und Überlegungen zum Berufsverband:
    Gesellschaft für Informatik (GI) - http://gi.de/
  • Für Ihre Überlegungen zu Ihre Seminararbeiten:
    Informatik Spektrum. Themenheft "Smart Cities" Band 40, Heft 1, Februar 2017.
Außerdem die hier im Text in eckigen Klammern erwähnten Abschnitte und Kapitel aus
Zur Vorbereitung des nächsten Workshops:
  • Beck K et al. Manifesto for Agile Software Development - The Manifesto - Principles - History. 2001. - http://agilemanifesto.org/ (Blog vom 20.01.2017)
  • Schnegg M, Lang H. Netzwerkanalyse - Eine praxisorientierte Einführung. METHODEN DER ETHNOGRAPHIE Heft 1. 2002. - PDF (Blog vom 24.02.2017)
  • Weßel C. Elche fangen: Beobachtungen, Interviews und Fragebögen im Consulting. Berlin, epubli 2015 - Kapitel 19 "Der kaputte Drucker" -- online im Blog vom 08.10.2014 "Elche fangen | Der kaputte Drucker"
  • Weßel C. Elche fangen: Beobachtungen, Interviews und Fragebögen im Consulting. Berlin, epubli 2015 - Kapitel 10 "Walk and Talk" --  online als Artikel: Weßel C. Elche fangen - Von der Kunst in IT-Projekten Beobachtungen und Interviews durchzuführen. In: Engstler M, Hanser E, Mikusz M, Herzwurm G (Hg.). Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2014. Soziale Aspekte und Standardisierung. Lecture Notes in Informatics (LNI) - Proceedings. Series of the Gesellschaft für Informatik (GI). Volume P-236. Gesellschaft für Informatik, Bonn 2014: 121-127. - ISBN 978-3-88579-630-5. - PDF
  • Weitere Literatur zur Sozioinformatik ... - auch zur Netzwerkanalyse.

Die zwei Tage in Furtwangen waren bunt, interessant und sehr schön - auch das Wetter. Mal sehen, was die nächste Woche so bringt.

 

Christa Weßel 01.04.2017

 

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